Reiseführer durch die sozioökonomische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Gastbeitrag von Franz Baumann

Karl Polanyis 1944 erschienener Klassiker Die große Transformation wird wiederentdeckt, weil sich herumspricht, dass ein schwacher Staat und eine marktradikale, nur auf oberflächliche Effizienz setzende Wirtschaft keine krisenfeste Formel ist – sondern ein ideologisches Konstrukt, in welchem Wissenschaftsfeindlichkeit ein verlässlicher Gradmesser von Regierungsinkompetenz ist, wie unser Gastautor in New York aus nächster Nähe beobachten kann. Das eben erschienene Buch Zukunftsfähiges Wirtschaften von Andreas Novy, Richard Bärnthaler und Veronika Heimerl ist eine von Polanyi inspirierte Einführung in die zentralen Fragen der Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Ökonomie unter dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit. „Zukunftsfähiges Wirtschaften“ bettet heutige Herausforderungen in historische Zusammenhänge ein.

Die Coronakrise hat die Klimakrise momentan verdrängt (bislang sind in New York City 22.384 Coronatote zu beklagen, in Hong Kong sieben, obwohl vergleichbar in Größe und Bevölkerungsdichte), obwohl beide Kehrseiten einer Medaille sind – der Reaktion der Natur auf ihre anthropogene Beschädigung. Nach der Bewältigung des Virus zum früheren Zustand zurückzukehren, wäre unverantwortlich, weil es dringlich ist, die Beschädigung der Natur zu reduzieren.

Die Zeichen stehen auf Sturm. Der Mai 2020 war der wärmste je gemessene. Vor drei Jahrzehnten wäre es theoretisch möglich gewesen, die Erderhitzung zu stoppen. Heute nicht mehr. Jetzt geht es bestenfalls um Verlangsamung und Anpassung an eine heißere, trockenere, stürmischere, kränkere und konfliktgeladenere Welt. Die erforderlichen Anstrengungen werden gewaltig sein, die Kosten beträchtlich und die Auseinandersetzungen gallig. Nichts zu tun, oder nicht genug, wäre teurer und bitterer.

Die Bundesregierung hat mit 130 Milliarden Euro das größte Konjunkturpaket der deutschen Geschichte auf den Weg gebracht. Ein guter Anfang, obwohl noch offen ist, was das für die langfristige Zukunftssicherung des Landes – und der Welt – bedeutet. Wird die überholte, umweltzerstörende Wirtschaft für ein paar Jahre gerettet – oder wird sie nachhaltig umgebaut? Diese Frage ist keine theoretische, weil über den morgigen Handlungsspielraum heute entschieden wird. Ist die Zeit erst einmal vertrödelt, haben moderate Maßnahmen keine moderaten Auswirkungen, sondern radikal gefährliche. Selbst in der Krise, vielleicht besonders in der Krise, muss über den Tag hinaus gedacht werden.

Das eben erschienene Buch der Wiener Wissenschaftler Novy, Bärnthaler und Heimerl ist eine nützliche Einführung in die zentralen Fragen der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft unter dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit, also der Befriedigung gegenwärtiger Bedürfnisse nicht auf Kosten der Natur und künftiger Generationen. Eine Stärke des Buches ist die Einbettung heutiger Herausforderungen in historische Zusammenhänge.

Wirtschaft als Selbstzweck?

Teil 1, „Multiperspektivität in Wissenschaft und Wirtschaft“, zeichnet die Industrialisierungsgeschichte Europas nach, also die Evolution von der Armutsgesellschaft des 19. zur Massenkonsumgesellschaft des 20. Jahrhunderts. Die Makrodaten des atemberaubenden Wachstums der letzten Jahrzehnte in westlichen Industrieländern werden eingebettet in globale Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit, ein Blickwinkel, der über die normalen Betrachtungsweisen der Mikro- und Makroökonomie hinausgeht. Dankenswerterweise.

Das Wall Street Journal hat keinen Wirtschaftsteil, sondern eine „Business Section“. In der Financial Times läuft das Entsprechende unter „Markets“. Man fragt sich, ob dies weltanschauliche Kurzformeln oder Marxsche Versprecher sind. Wirtschaft als soziales Konstrukt ist so viel mehr als auf dem Markt abgewickelte Geschäfte.

Die Diskussion zweier Wiener Denker, Zeitgenossen und Antagonisten, ist in diesem Zusammenhang von großem Interesse. „Hayek versus Polanyi: Markt und Politik“ heißt deshalb ein Kapitel im Buch.

  • Dem Marktfundamentalisten Friedrich Hayek graute es vor staatlicher Planung, die er als „Weg zur Knechtschaft“ beschrieb – so der Titel seines 1944 erschienenen Hauptwerks. Hayek, die Ikone des Neoliberalismus, sieht Menschen als rationale, egoistische, wirtschaftliche Optimierer, Märkte als selbststeuernd und endloses Wirtschaftswachstum als Positivum.
  • Karl Polanyi nimmt dagegen in seinem ebenfalls 1944 veröffentlichten Klassiker „Die große Transformation“ die Freiheit des Marktes als reduktiv wahr, weil sie legitime menschliche Bedürfnisse ignoriert, zum Beispiel die eigenständige Lebensgestaltung, die Teilhabegerechtigkeit am gemeinschaftlichen Leben und die Zukunftsfähigkeit allen Tuns. Polanyi, ein Schutzpatron des Sozialstaats, verwirft Wirtschaft als Selbstzweck, weist darauf hin, dass Menschen andere als ökonomische Interessen haben und argumentiert für die Unterordnung der Wirtschaft unter demokratisch errungene Gesellschaftsentwürfe.

Beide idealtypischen Modelle sind im Buch nützlicherweise tabellarisch dargestellt. Überhaupt sind die vielen Tabellen des Buches vorzüglich, weil sie Konzepte auf knappem Raum erhellen.

„Wohlstand“ durch Raubbau – Externalisierung

Teil 2, „Die Welt im Umbruch – eine Vielfachkrise“, argumentiert datenreich und detailliert, dass der Freiheits- und Wohlstandszuwachs der letzten Jahrzehnte in Teilen der Welt auf Kosten der Natur ging, ein Raubbau, dessen Ende abzusehen ist, weil die planetarischen Grenzen nicht verrückbar sind. Die Krisenzeichen mehren sich.

Ernüchternd ist die parallele Betrachtung des menschlichen Entwicklungsindex, der persönliche Sicherheit, Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten misst, und des ökologischen Fußabdrucks, also des Ressourcenverbrauchs und der Emission von Treibhausgasen.

Erschreckenderweise hat kein einziges Land sowohl einen sehr hohen menschlichen Entwicklungsstand als auch einen nachhaltigen ökologischen Fußabdruck. Der Zielkonflikt zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und „imperialer Lebensweise“ in OECD-Ländern wird bislang dadurch aufgelöst, dass die entstehenden Kosten externalisiert, das heißt auf die Natur, künftige Generationen und den globalen Süden abgewälzt werden.

Die Frage wird aufgeworfen, ob grünes Wirtschaften – die Entkopplung des Wachstums und der Emissionen vom Materialverbrauch – den gordischen Knoten durchschlagen kann. Antworten werden zwar angedeutet, aber der Wert des Buches besteht darin, Fragen aufzuwerfen und auf Komplexitäten hinzuweisen.

Ein Schritt, den das Buch nicht geht, ist die furchtbare Wahrscheinlichkeit, dass – selbst wenn Europa, die USA, China Indien und andere ab sofort und mit allen Kräften umsteuern würden, was offensichtlich nicht zur Debatte steht – die Erderhitzung gefährliche Kipppunkte überschreiten wird. Die Natur droht danach eine Eigendynamik zu entwickeln – positive Rückkopplungen in der Sprache der Kybernetik –, die sich menschlicher Einflussnahme entzieht.

Nach dem wahrscheinlichen Scheitern der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen ist es kaum noch zu verhindern, dass im nächsten Jahrzehnt die Permafrostgebiete auftauen und die darin eingefrorenen Sumpfgase, hauptsächlich Methan, in die Atmosphäre gelangen werden. Aber je höher der Treibhausgasanteil in der Atmosphäre, desto wärmer wird es und desto mehr Permafrostboden taut auf. Da capo.

Weitere Kippelemente werden ins Spiel kommen: das Abschmelzen des arktischen Meereises sowie des grönländischen und des westantarktischen Eisschilds, das Erlahmen der atlantischen thermohalinen Zirkulation, der Rückgang der Photosynthese infolge Überhitzung und Wassermangel, das großflächige Abbrennen von Wäldern und letztlich die Erschöpfung der CO2-Aufnahmefähigkeit der Ozeane. Weite Teile der Erde werden unbewohnbar werden. Wir sind in einer Notstandssituation, aber es schickt sich offenbar noch nicht, dies klar zu sagen.

Instruktiv ist der Zusammenhang zwischen der „Finanzialisierung“ der Weltwirtschaft – der Machtverschiebung von produzierenden Industrieunternehmen zum weltweit agierenden Finanzsektor – und ihrer Krisenanfälligkeit, Umweltschädlichkeit, Sozialunverträglichkeit sowie ihrer Immunität, was demokratische Kontrolle anlangt.

Aus meiner New Yorker Perspektive ergibt sich ein schlagendes Beispiel: 2019 wurden an der Wall Street vierzehnmal höhere Bonuszahlungen, also Prämien zusätzlich zu den Gehältern, ausgeworfen als noch 1990, nämlich 29,3 Milliarden US-Dollar. Diese horrende Summe entspricht dem Sechsfachen des durch die Coronakrise entstandenen Lochs im Haushalt der Stadt New York und verursacht eine schier unlösbare Finanzkrise.

Das Buchmanuskript wurde vor der Coronakrise fertiggestellt, was insofern schade ist, als die letzten Monate trefflich illustrieren, was die Wirtschafts- und Sozialsysteme der USA und Großbritanniens von denen Kontinentaleuropas und Skandinaviens unterscheidet.

Der US-Raubtierkapitalismus steht ziemlich zerfleddert da, und mit ihm das rechtspopulistische Politikmodell, die Wissenschaftsfeindlichkeit, der außenpolitische Unilateralismus und die rücksichtslose Selbstoptimierung als Lebensmodell.

Es wird täglich deutlicher, dass sowohl die Corona-Pandemie als auch die Erderhitzung

  • daraus folgen, dass die Natur durch anthropogene Eingriffe aus dem Gleichgewicht gekommen ist,
  • weltweit zur gleichen Zeit auftreten,
  • nur auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse versteh- und lösbar sind,
  • Verschwörungsmythen und Sektierer auf den Plan rufen und
  • nur politisch eingedämmt werden können, also nicht durch den Markt oder durch unkoordinierte Aktionen Einzelner. Der Beitrag von Bürgern und der Wirtschaft ist unerlässlich, aber als Ergänzung und Verstärkung der Politik, nicht als ihr Ersatz.

Kategorische Unterschiede zwischen der Corona-Pandemie und der Erderhitzung:

  • Man kann sich durch Selbstisolierung vor dem Virus schützen und es wird irgendwann einmal einen Impfstoff geben.
  • Covid-19 kann auf nationaler Ebene eingedämmt werden, die Erderhitzung nur durch koordinierte internationale Maßnahmen.
  • Covid-19 wird einen Höhepunkt erreichen und dann abflachen. Die Erderhitzung ist im Gegensatz dazu ein geologisches Phänomen, das nur verlangsamt, aber nicht umgekehrt werden kann.
  • Covid-19 ist hoffentlich zeitbegrenzt. Die Erderhitzung ist in menschlichen Zeiträumen nicht rückgängig zu machen, also irreversibel.

Keine Patentlösung

Teil 3 des Buches, „Wege in die Zukunft“, beginnt mit der Feststellung, dass Nachhaltigkeitspolitik über ökologische Aspekte hinausgehen und den sozialen Zusammenhalt berücksichtigen muss. Die klassische volkswirtschaftliche Methode der Entscheidungsvorbereitung und Entscheidungsfindung ist die Kosten-Nutzen-Analyse, der Markt das zentrale Steuerungselement.

Natur könnte in dieser Methodik geschützt werden, wenn öffentliche Güter – Luft, Wasser, Wälder, Artenvielfalt, CO2-Gehalt der Atmosphäre, fruchtbare Böden et cetera – mit einem Preis versehen und angerichtete Schäden entweder vermieden oder kompensiert würden.

Das Marktversagen externalisierter Kosten wäre eliminiert, das Verursacherprinzip ohne Transaktionskosten durchgesetzt und naturschützende Innovationen würden quasi von selbst bewirkt werden. So ließen sich alle Probleme lösen, wenn denn nur Ökonomen das Sagen hätten.

Die Wirklichkeit ist weniger aufgeräumt, aber selbst in der Theorie hakt es, weil es keine schlüssige Berechnung des heutigen Werts zukünftiger Kosten und Nutzen gibt: „Diskontierung ist das finanztechnische Berechnungsverfahren, das den heutigen Wert zukünftiger Zahlungen (Kosten und Nutzen) errechnet. Heutige Erträge und Kosten sind mehr wert als jene in der Zukunft. Diese Abzinsung zukünftiger Zahlungen, Kosten, Erträge und Nutzen auf einen gegenwärtigen ‚Barwert‘ hängt vom angenommenen Diskontsatz ab. Ein hoher Diskontsatz vermindert die relative Bedeutung der Zukunft, während bei einem ‚Null Zins‘-Diskontsatz das geschätzte Leid und Wohlbefinden zukünftiger Generationen genau so viel wiegt wie Kosten und Nutzen heute.“

Mathematische Formeln beantworten, wie viel uns die Zukunft der menschlichen Zivilisation wert ist. Ob wir sie uns leisten wollen, ist eine politische Frage. Unambitioniertes Agieren verschiebt die Kosten in die Zukunft und verringert die Handlungsoptionen derer, die nach uns kommen.

„Zukunftsfähiges Wirtschaften“ ist ein Reiseführer durch unsere sozioökonomische Vergangenheit, Gegenwart und denkbare Zukunft. Sehenswürdigkeiten werden scharfsinnig kommentiert und eingeordnet. Vereinfachende Patentlösungen werden vermieden, Hintergründe, Zusammenhänge und Lösungskonzepte dagegen besonnen aufgezeigt, fragend, erklärend und undogmatisch. Dies ist wertvoll in unserer fiebrigen Zeit, in der alles globaler, integrierter und komplexer wird, aber die Tendenz zum Nationalen, Egoistischen und Vereinfachenden zunimmt.

Franz Baumann arbeitete seit 1980 für die Vereinten Nationen und war bis 2015 Beigeordneter General­sekretär sowie Sonder­berater für Umwelt­fragen und Friedens­missionen und damit einer der höchst­rangigen deutschen UN-Beamten. Seit 2017 ist der studierte Verwaltungs­wissen­schaftler und promovierte Poltik­wissen­schaftler Gast­professor an der New York University. Baumann fordert eine Stärkung und Professionalisierung der Vereinten Nationen.

->Quelle:

Welt ohne Bargeld

Anhörung im Bundestag

Bargeld – Foto © Gerhard Hofmann, EÖR

Um die Welt ohne Bargeld und die Veränderungen der klassischen Banken- und Bezahlsysteme ging es am Donnerstag, 18. Juni 2020, beim öffentlichen Fachgespräch, zu dem der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung unter Leitung von Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) und insbesondere das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) eingeladen hatte. Das Unternehmen VDI/VDE – Innovation+Technik (IT) arbeitet den Angaben zufolge als Konsortialpartner des TAB an einer Kurzstudie zu den aktuellen Trends und Entwicklungen im Ökosystem des Zahlungsverkehrs.

weiterlesen

“Eine Parallele” – die Sicht des Wissenschaftsforschers Peter L. W. Finke

Zusammenhang der Krisen: Klimawandel, Artenschwund und Covid-19

Es ist noch nicht lange her, dass mitten in China eine neue Krankheit ausbrach. Inzwischen ist daraus eine Pandemie geworden. Sie hat verschiedene Namen erhalten: Covid-19 ist einer; populär heißt sie auch „Coronakrise“. Es ist aber auch noch nicht lange her, dass immer mehr Menschen, vor allem junge, auf die Straßen gingen und die Politik und uns alle zum Umdenken aufforderten. Der Klimawandel, die Biodiversitätsverluste und die sich immer weiter öffnende Schere zwischen arm und reich trieben sie an. Die Pandemie stoppte diese Bewegung, vorerst. Kann es sein, dass beides zusammenhängt? fragt Peter Finke und entwirft ein neues Zeitalter: Das Gaiazän.

weiterlesen

Möglichst nachhaltiges Verwaltungshandeln

BMJV legt Ressortbericht in Sachen Nachhaltigkeit vor

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) hat am 08.06.2020 seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. Der Titel: „BMJV Ressortbericht Nachhaltigkeit – Bericht zum Stand der Integration der Rechts- und Verbraucherpolitik in die Agenda 2030“. Der 36seitige Bericht stellt – einer Medienmitteilung zufolge – „die bis Anfang 2020 im BMJV vorgenommenen Schritte zur Integration der Rechts- und Verbraucherpolitik in das Zielsystem der Agenda 2030 dar und gibt zugleich eine Zielrichtung für das noch weiter erforderliche Handeln in diesem Bereich. Der Bericht soll die Öffentlichkeit informieren und gleichzeitig den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BMJV eine Orientierung für die Einordnung ihrer Aufgaben innerhalb der globalen Nachhaltigkeitsziele bieten.“ weiterlesen

Corona, Nachhaltigkeit und Klimawandel

Thomas Weber und Nana Karlstetter – Politisches Thesenpapier

Die Reaktion auf die Corona-Pandemie und die Agenda 2030 Nachhaltigkeit bieten die einzige politische Perspektive und Orientierung der Weltgemeinschaft für die Zukunft

1
Mit der Corona-Pandemie ist eine der „weltweiten Gesundheitsgefahren“, die in der UN-Agenda 2030 unter den großen globalen Gefahren für die nachhaltige Entwicklung und für das Überleben und den Fortbestand der Gesellschaften genannt werden, eingetreten. weiterlesen

Zwei Jahre 560 Euro bar auf die Kralle

Experiment mit Grundeinkommen in Finnland

Finnland hat das bedingungslose  Grundeinkommen (BGE) getestet. Das Ergebnis, jedenfalls in der Sicht von FAZ-Autor Patrick Bernau, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, ganz unvoreingenommen: „die vielleicht größte Utopie dieser Zeit“ – sein Fazit am 06.05.2020 : „Wer Geld vom Staat bekommt, hat weniger Stress. Das allerdings war nicht die wichtigste Frage, die Neugierige an das Experiment hatten.“

weiterlesen

Von der Corona-Krise zur nachhaltigen Wirtschaft

Was zukunftsorientierte Politik jetzt leisten muss
Text: Reinhard Loske | Gastbeitrag auf – agora42.de/corona-krise-und-nachhaltigkeit-reinhard-loske

Spricht man dieser Tage mit Menschen, denen Klimaschutz und umfassende Nachhaltigkeit als zentrale Herausforderungen besonders am Herzen liegen, begegnen einem nicht selten sorgenvolle Mienen und düstere Prognosen. Wenn die Corona-Pandemie erst unter Kontrolle sei, werde die Politik wieder alles daransetzen, das ressourcenverschlingende Wirtschaftswachstum auf jede nur erdenkliche Weise anzukurbeln. Dabei drohten ökologische Ziele einmal mehr unter die Räder zu kommen, so wie schon nach der Finanzkrise 2008.

Man kann diese Befürchtung hegen. Sie ist nicht aus der Luft gegriffen. Schon melden sich gegen alle Vernunft wieder Protagonisten, die eine klimapolitische Atempause, das Abschwächen von Regeln für Luftreinhaltung, Natur- und Wasserschutz oder die Aussetzung von Bürgerbeteiligungsrechten bei Umwelteingriffen vorschlagen, damit die Konjunktur nach der Krise schnell wieder „anspringen“ und dann „brummen“ kann. Ganz vorne dabei wie immer Lobbyisten und Populisten.

weiterlesen

Reise in den Untergrund

Ein Buch über eine unbekannte Gegend: Die Welt unter unseren Schuhen – eine Bodenkunde

Peter Laufmann nimmt die Leser mit in die Tiefe: Wenige Zentimeter von unserer Schuhsohle entfernt beginnt ein Kosmos, der fremdartig ist „wie eine verschlossene Kapsel, mit einzigartigem Klima und geheimnisvollen Bewohnern“. Es sei mehr Leben unter einem Fuß, der auf einer Wiese steht, als es Menschen auf unserem Planeten gebe. Und Laufmann belegt seine Behauptung. „Der Boden – das Universum unter unseren Füßen“ ist ein im klassischen Sinn „spannendes“, gelegentlich humorvolles Buch – das zum Beispiel enthüllt, dass es am Feldberg im Schwarzwald einen Regenwurm gibt, der so lang wie ein Unterarm wird, und der für seine Nachkommenschaft sorgt.

Doch zurück zur Aufzählung des Lebens: „Steckt man eine Fläche von einem Quadratmeter ab, gräbt 30 Zentimeter rief und zählt geduldig, wer in diesem winzigen Haufen Dreck lebt, braucht man keine weiteren Hobbys.“ Die Regenwürmer seien schnell durchgezählt. Etwa 80 dürften es sein, Schnecken etwa 50, ebenso viele Asseln und Spinnen. Doch Laufmann ist noch lange nicht fertig: „100 Käfer, 300 Hundert- und Tausendfüßer, 100 Zweiflüglerlarven, 10.000 Borstenwürmer. Das war einfach. Jetzt muss man schon genauer hingucken. In unserem Boden treibt sich nämlich noch viel mehr herum: 25.000 Rädertiere, 50.000 Springschwänze, 100.000 Milben und 1.000.000 Fadenwürmer. Nach einer kurzen Pause sollte man sich eine Lupe holen, denn die nächste Kategorie Bodenlebewesen ist noch kleiner; Geißeltierchen zum Beispiel werden nur gut 0,3 Millimeter groß. Das ist gerade noch mit bloßem Auge zu erkennen. Aber das Erfassen der 500.000.000.000 Exemplare ermüdet dann doch auf Dauer. Wer dann noch Kraft und Zeit hat, zählt geschwind die 1.000.000.000.000 Bakterien, 10.000.000.000 Strahlenpilze, 1.000.000.000 Pilze und 1.000.000 Algen. Die Zahlen variieren natürlich…“ räumt der studierte Forstwissenschaftler ein. weiterlesen

Buchhinweis: „Willkommen im Anthropozän!“

Das Zeitalter des Menschen – eine Einführung

„Wir befinden uns im Anthropozän!“, erzählt der Umweltwissenschaftler Erle C. Ellis, Autor des gleichnamigen Buches, habe Paul Crutzen, Meteorologe mit Forschungsschwerpunkt Atmosphärenchemie und und Nobelpreisträger, 2000 bei einer Konferenz ausgerufen. Er fragte sich nämlich, warum seine Kollegen unsere Zeit immer noch als Holozän bezeichneten? Habe die Menschheit seit dem Ende der letzten Eiszeit und dem Beginn des Holozäns die Erde doch so deutlich sichtbar umgestaltet! Von da an gewann der Vorschlag, die gegenwärtige geologische Zwischenzeit nach uns, dem Anthropos, umzubenennen – und die Kritik daran –, enorm an Schwung, sowohl innerhalb als auch außerhalb akademischer Kreisen.

weiterlesen

Die globale (Staats)-Schuldenkrise vor Corona

Die Welt gerecht gestalten

Ein Interview mit Jürgen Kaiser, politischer Koordinator von erlassjahr.de und Autor von „Die globale (Staats)-Schuldenkrise vor Corona“.  Viele Länder befanden sich schon vor Beginn der COVID-19-Krise in einer Schuldenkrise. Ende 2019 warnte die Weltbank vor der derzeitigen raschen Zunahme der weltweiten Verschuldung. Der IWF ging noch weiter: die globale Finanzarchitektur sei auf eine nächste Krise nicht vorbereitet; bestehende Institutionen und Verfahren können Staaten im Krisenfall nicht schnell und wirksam aus der Schuldenfalle befreien. Seither hat die Coronavirus-Pandemie die Lage verschärft. Ihre Folgen für die Schuldentragfähigkeit ärmerer Länder sind nicht abzusehen, aber sie offenbart: es mangelt an einem umfassenderen, multilateral vereinbarten und langfristigen Ansatz zur Lösung der Schuldenkrise. weiterlesen