„Als gebe es kein Morgen“

So früh wie nie zuvor: Earth Overshoot Day 2019

„Als“Da der Earth Overshoot Day immer früher im Jahr stattfindet und ein großer Teil davon die CO2-Emissionen sind, tritt die Bedeutung entschlossenen Handelns immer klarer hervor. Deshalb arbeiten wir mit allen Beteiligten daran, effektive Ansätze zu finden“, sagt die chilenische Umweltministerin María Carolina Schmidt Zaldívar, Vorsitzende der für Dezember in Santiago geplanten COP25, aus Anlass des globale „Erderschöpfungstages“ (Earth Overshoot Day), der 2019 bereits auf den 29. Juli fällt. Ab diesem Tag hat die Menschheit nach Berechnungen des „Global Footprint Network“ bereits die gesamten natürlichen Ressourcen verbraucht, die unser Planet innerhalb eines Jahres erzeugen und regenerieren kann.

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BMU und BMZ eröffnen Vorbereitungskonferenz zum hochrangigen UN-Nachhaltigkeitsforum

Schulze und Müller rufen zu ambitionierter Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung auf

Svenja Schulze hält eine Rede

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, haben die HLPF Vorbereitungskonferenz eröffnet.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, haben heute die erste deutsche Konferenz zum Hochrangigen Politischen Forum für nachhaltige Entwicklung (HLPF) in Berlin eröffnet. Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung, aus dem Bundestag, der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft nehmen an der heutigen Veranstaltung in Berlin teil. weiterlesen

Ernst Ulrich von Weizsäcker 80:
„Wir sind dran: Inspirieren – Reflektieren – Handeln“

Symposium zu den großen Herausforderungen in Umwelt, Klima, Gesellschaft und Nachhaltigkeit

Die Herausforderungen sind gewaltig – egal ob Klimawandel, Globalisierung, Digitalisierung, Artensterben, ökonomische Ungerechtigkeit oder Sicherheit. Wie lassen sich hier Denkmuster durchbrechen, Chancen erkennen und intelligent Handlungspotenziale bündeln? Ernst Ulrich von Weizsäcker, anerkannter und engagierter Vordenker, setzt sich seit Jahrzehnten mit diesen drängenden Fragen auseinander und entwickelt Antworten – zuletzt im Club of Rome-Bericht „Wir sind dran“. Wir sind dran: das bedeutet jetzt handeln und konkrete Maßnahmen umsetzen. Anlässlich seines 80. Geburtstags hielt Weizsäcker im Symposium die Keynote und setzte den Rahmen für die darauf folgenden Arbeitskreise und Diskussionen.

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Fortschritte bei der Finanztransaktionssteuer

Soll bis 2021 kommen

Am 13. und 14. Juni fanden in Luxemburg die Sitzungen der Eurogruppe und des ECOFIN-Rates statt. Ein großer Sprung wurde bei der Reform des ESM erzielt – dies ist wichtig für Stabilität der Bankenunion und der Gemeinschaftswährung. Die europäischen Finanzminister verständigten sich zudem auf Kernpunkte für einen künftigen Haushalt der Eurozone, dessen Finanzierung im Rahmen des Mehrjährigen Finanzrahmens entschieden werden soll. Auch bei der Finanztransaktionssteuer wurden Fortschritte erzielt – noch dieses Jahr sollen die Grundlagen gelegt werden, um die Steuer 2021 erheben zu können.

Deutschland und Frankreich wollen kleineren Mitgliedstaaten die umstrittene Finanztransaktionssteuer (FTT) mit Zugeständnissen schmackhaft machen. Ländern mit voraussichtlich geringen Einnahmen aus der geplanten Steuer soll ein Mindestanteil garantiert werden, der sich aus den Einnahmen anderer Länder speist. Das steht in einem Dokument des deutschen Finanzministers Olaf Scholz und seines französischen Kollegen Bruno Le Maire. Inzwischen sind Olaf Scholz und Bruno Le Maire  bei der Finanztransaktionssteuer einen Schritt auf ihre europäischen Kollegen zugegangewn. Die beiden Finanzminister wollen kleinere Länder stärker an der Abgabe beteiligen. So könnte neuer Schwung in die festgefahrenen Verhandlungen kommen.

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Starkes Signal für nachhaltiges Finanzwesen aus Brüssel

Expertengruppe der EU-Kommission schließt Kohle und Atomkraft aus grünen Finanzprodukten aus

Am 18.06.2019 hat die technische Expertengruppe der EU-Kommission Empfehlungen zu nachhaltigem Finanzwesen veröffentlicht. Letztes Frühjahr hatte die EU-Kommission im Rahmen ihres Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzwesen dazu verschiedene Gesetzesvorschläge vorgelegt. Die Empfehlungen der Expertengruppe beziehen sich auf die Ausgestaltung der Klassifizierung für nachhaltige Anlagen (Taxonomie), eine Methodik für nachhaltige Vergleichsindizes, Maßgaben für klimabezogene Offenlegungspflichten und die Ausgestaltung eines EU-Standards für grüne Anleihen (Green Bonds). weiterlesen

Geldwäscheverdacht bei Kryptowährungen

Antwort der Regierung auf Anfrage der Linken

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat 2017 40 und 2018 90 Einzelfallprüfungen im Zusammenhang mit dem sogenannten Initial Coin Offering durchgeführt – so der parlamentseigene Pressedienst heute im bundestag. Zudem gab es im vergangenen Jahr 573 Geldwäscheverdachtsmeldungen mit Bezug zur virtuellen Währungen. Dies berichtet die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/10920) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (19/10240), die sich nach Geldwäscherisiken und Verbraucherschutz bei virtuellen Assets und virtuellen Währungen im Zusammenhang mit der Blockchain-Technologie erkundigt hatte. In Deutschland sind nach Angaben der Bundesregierung Dienstleistungsanbieter, die den Umtausch von virtuellen Währungen in gesetzliche Währungen und umgekehrt sowie in andere virtuelle Währungen anbieten, Finanzdienstleistungsunternehmen und gelten damit als Verpflichtete nach dem Geldwäschegesetz. Man beschäftige sich derzeit im Rahmen der nationalen Risikoanalyse mit der Nutzung von virtuellen Währungen zur Geldwäsche und zur Terrorismusfinanzierung. Ergebnisse würden in den nächsten Monaten veröffentlicht, kündigt die Bundesregierung an. (hib/HLE)

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CDP fordert Amazon, Exxon und andere zu Klima-Transparenz auf

Carbon Disclosure Project: Gruppe von 88 Investoren nimmt mehr als 700 Unternehmen ins Visier, die keine Umweltinformationen melden

Amazon, Exxon Mobil und Volvo gehören zu den 707 Unternehmen, die in einer von 88 weltweiten Investoren unterstützten Kampagne des Carbon Disclosure Project (CDP) ins Visier genommen werden, die sich für mehr Transparenz bei den Umweltauswirkungen einsetzt – so cdp.net am 17.06.2019 und eenews.net/climatewire am 18.06.2019. Zum ersten Mal berichtet das CDP öffentlich über seine Offenlegungskampagne.

Die Konzerne werden von den CDP-Investoren mit einem Vermögen von fast 10 Billionen US-Dollar (darunter Candriam, HSBC Global Asset Management, Investec Asset Management, Environment Agency Pension Fund, Cathay Financial Holdings, Amundi, NN Group und Washington State Investment Board) wegen Nichtveröffentlichung von Umweltinformationen ins Visier genommen. Sie wenden sich an Unternehmen, die nicht transparent genug über ihre Umweltauswirkungen berichten, und drängen sie, diese Informationen über das CDP,  die gemeinnützige globale Plattform für Umweltdaten, zu veröffentlichen. Die Investoren richten sich an 707 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 15,3 Billionen US-Dollar in 46 Ländern, weil diese ihre Daten zu Klimawandel, Wassersicherheit und Entwaldung nicht gemeldet haben. Darunter sind Exxon Mobil, BP, Chevron, Amazon, Volvo, Alibaba, Qantas Airways sowie das Palmölunternehmen Gent Plantations Bhd.

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Buch: „Das Gute Leben für Alle“

Wege in die solidarische Lebensweise – „Es geht um die Freiheit, nicht mehr auf Kosten anderer leben zu müssen

Die globalen Krisen spitzen sich zu. Doch wo sind Antworten und Lösungen? Das I.L.A. Kollektiv hat sich auf die Suche nach neuen Lebensstilen und Wirtschaftsformen begeben, die nicht auf Kosten anderer und der Natur gehen. Die zentrale Frage: Wie kann ein gutes Leben für alle aussehen? In ihrem Buch „Das Gute Leben für Alle“ versuchen sie Antworten zu geben.

Es sei eine Tatsache, dass sich bereits jetzt Menschen an vielen Orten für ein zukunftsfähiges, demokratisches sowie sozial und ökologisch gerechtes Miteinander einsetzten. All ihre Projekte böten konkrete Alternativen im Hier und Jetzt. Was Mut mache: „Die derzeitige imperiale Lebensweise – wie sie das I.L.A. Kollektiv in seinem ersten Buch ‚Auf Kosten anderer?‘ thematisiert – ist die Folge politischer Entscheidungen und unseres alltäglichen Handelns. Eine andere Welt ist also machbar. Welche Wege in die solidarische Lebensweise führen, zeigt dieses Buch eindrücklich auf – mit zahlreichen anschaulichen Infografiken.“

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Hat Kapitalismus eine Zukunft?

von Irene Schöne

Ein Buch über „The Future of Capitalism – Facing the New Anxieties“ weckt große Hoffnungen beim Leser, weil er erwartet, dass die Probleme unserer heutigen Wirtschaftsweise benannt, ihre Ursachen analysiert und Lösungen vorgeschlagen werden, besonders wenn es von einem renommierten britischen Ökonomen wie Paul Collier stammt. Mit diesen Hoffnungen beginnt man die Lektüre.

Um es vorwegzusagen: Diese Hoffnungen werden enttäuscht. Colliers Buch hätte lieber einen Titel wie „Die Zukunft von Globalisierungsverlierern“ tragen sollen, anstelle „Die Zukunft des Kapitalismus“. Er befasst sich nur mit einem Ausschnitt unserer heutigen Probleme und ihren Folgewirkungen, nämlich mit der Frage, was eine Regierung tun kann, um die regionalen Verlierer der Globalisierung, u. a. seinen Geburtsort Sheffield, wieder zum Erblühen zu bringen. Neue Vorschläge zu machen, wie man den Verlust von Alt-Industrien ersetzen und Regionen wieder beleben kann, wäre ein Buch wert, vor allem wenn diese über die bisher bekannten hinausgingen, also über die öffentliche Förderung von Unternehmens-Neuansiedlungen und Start-ups. Globalisierungsverlierer gibt es zudem nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den früher Autos produzierenden Regionen der USA sowie in deutschen Stahl- und Schiffbauregionen.

Wenn Collier wirklich vorhatte, ein Buch über die „Zukunft des Kapitalismus“ zu schreiben, dann wäre auch zu erwarten, dass er sich mit noch viel existenzielleren Fragen auseinandersetzt angesichts von Klimakatastrophe, Artensterben, Vermüllung der Meere und Ausbeutung endlicher Ressourcen. Er würde diskutieren, ob diese Wirtschaftsweise überhaupt eine Zukunft hat.

Collier stellt jedoch bereits auf den ersten Seiten seines Buches fest, dass Klimakatastrophe und Umweltschäden keineswegs inhärente Auswirkungen unserer heutigen Wirtschaftsweise sind, sondern natürliche Ursachen hätten. Er schreibt: „Periodically, society will be hit by shocks: a natural one like climate change, or an intellectual one like the emergence of a new religion.“ (S. 44). Und damit hat er die Notwendigkeit, sich damit zu auseinanderzusetzen, auch schon erledigt. Und dies obgleich Naturwissenschaftler wie Michael E. Mann von der Pennsylvania State University zum Beispiel bereits 1998 nachgewiesen haben, dass die Erderwärmung seit Beginn der Industrialisierung deutlich angestiegen ist und heute bereits höher liegt als in den letzten zehntausend Jahren[1]. Der weitere Anstieg wird eine von uns selbst produzierte Katastrophe auslösen. Jüngere Menschen scheinen das eher zu realisieren, als es ältere wahrhaben wollen.

Solch eine Sichtweise findet sich nun nicht nur bei Collier, sondern sie wird auch von vielen anderen Ökonomen geteilt. Klimakatastrophe und Umweltschädigungen seien natürliche Phänomene. Damit müssten sich Naturwissenschaftler beschäftigen, aber nicht die Wirtschaftstheorie. Unsere kulturell entwickelte Wirtschaftsweise und ihre Legitimation durch Theorie hätten damit nichts zu tun. Dies würde bedeuten, die kapitalistische Wirtschaftsform auch weiterhin für eine natürliche, einzig richtige Wirtschaftsweise zu halten, die schon immer so gewesen sei und auch in Zukunft fortgesetzt werden könnte. Wie geschichtsvergessen!

Dass es in der Vergangenheit andere Formen des Umgangs mit unserer natürlichen MitWelt (Klaus-Michael Meyer-Abich) gegeben hat, kann außer Acht gelassen werden, und damit selbstverständlich auch, dass es in Zukunft auch eine andere Wirtschaftsform geben kann. Es wird stattdessen davon ausgegangen, dass alle Annahmen, die der heutigen Wirtschaftweise zugrunde liegen, ein auf ewig richtiges, ein realitätsgerechtes Bild von der Wirklichkeit darstellen. Deshalb ist es wichtig, darauf einzugehen.

Wie man heute noch eine solche Überzeugung aufrecht halten kann, ist eine Frage, die man nur zu gern an Collier (und andere) richten würde. Es ist doch bekannt, dass die Modellannahmen der Mainstream-Theorie aus dem 18. Jahrhundert stammen. 300 Jahre später sind wir aber gezwungen, diese Annahmen fortzuschreiben, weil uns ihre Auswirkungen bewusst geworden sind.

Vergleichen wir dieses Festhalten an überholten Annahmen und Modellen einmal mit den heutigen Erkenntnissen der Naturwissenschaften, z. B. über das Universum. Könnten wir dann immer noch argumentieren, Newtons Erkenntnisse wären allein ausreichend – oder sind Physik und Biologie nicht längst darüber hinausgegangen und haben das frühere statisch-mechanistische Verständnis von Natur weiter entwickelt zu Natur als einem selbstorganisierten, dynamischen Wechselprozess, in dem die anorganische Natur Leben und dann bewusstes Leben hervorgebracht hat. Warum erkennen wir nicht an, dass nicht nur der Mensch, sondern auch die Natur entwickelt, arbeitet, schrieb doch Adam Smith bereits vor 240 Jahren und 100 Jahre vor Charles Darwin, dass „nature labours along with man.“[2] Und dass wir Menschen als natürliche und mit Bewußtsein ausgestattete Lebewesen in ständiger Wechselwirkung mit der uns äußeren Natur stehen? Natur ist die Basis allen Lebens, von Natur hängt unser Leben ab. Wenn wir durch unsere Wirtschaftsweise die Lebendigkeit der uns externen Natur schädigen, machen wir den Evolutionsprozess rückgängig. Warum soll das rational sein? Sind wir wirklich bereit, unser Lebens auf Spiel zu setzen, nur um ein überholtes Denkmodell beizubehalten? Warum?

Als Wissenschaftler sind wir in der Lage, drei unterschiedliche Formen des Wirtschaftens zu benennen:

  1. Form 1 = der direkte, unmittelbare und unvermittelte Austausch, von Aristoteles mit oeconomia, dem Gesetz des ganzen Hauses bezeichnet, auch Naturökonomie genannt (Charles Darwin, Alexander von Humboldt). Adam Smith, der sogenannte „Vater“ der Wirtschaftstheorie, sah exchange, also den Austausch, als das Basisprinzip des Wirtschaftens an.
  2. Form 2 = der indirekt gemachte und vermittelte Tausch mit Hilfe des vor rund 7.000 Jahren erfun-denen Tauschmittels Geld, die Kulturökonomie (Peter Bendixen), und
  3. Form 3 = die Zweck-Mittel-Vertauschung, in der das Tauschmittel Geld zum alleinigen Ziel des Austausches gemacht wird, der Ökonomiekult (Irene Schöne).

Aristoteles nannte diese Form chrematistike (von chrema = Geld) und kennzeichnete sie als „nicht-natürlich“. Richtig. Sie ist eine kulturelle Erfindung. Nur in einer Gesellschaft, die sich der letzteren Form verschrieben hat, wird es als irrationales Handeln angesehen, wenn Kapital verschwendet und nicht auf die bestmögliche Rendite geachtet werden würde. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Unternehmen jährlich eine finanzielle Bilanz vorlegen. Und dieselbe Sichtweise nehmen Arbeitnehmer ein, wenn sie eine möglichst gut bezahlte Tätigkeit anstreben, sowie Verbraucher, wenn sie möglichst wenig Geld für die Sicherung des Lebensunterhaltes ausgegeben. Wir unterwerfen alle unsere Entscheidungen der Kapitalrationalität. Und deshalb nennen wir unsere Wirtschaftsweise, d. h. die Vertauschung des Wirtschaftsmittels mit dem Wirtschaftsziel, Kapitalismus.

Dabei ist darauf hinzuweisen, dass diese Theorie sich nur auf die Warenproduktion bezieht. Sie endet mit dem Verkauf der hergestellten Güter, denn nur durch Verkauf lässt sich ein Gewinn realisieren. Was dann beim Konsum geschieht und was als Abfall übrig bleibt, ist nicht ihr Thema. Damit ist festzuhalten, dass die Mainstream-Theorie lediglich eine Theorie der Produktion ist und dass sie ihre Aussagen nur aus der Sichtweise eines Unternehmens trifft. Eine der Folge dieser verengten Denkweise ist, dass im privaten Haushalt nicht gearbeitet und nicht produziert wird, sondern dass diese Zeit, in der wir frei und selbständig wirtschaften können, nur die Reproduktionssphäre sei – und auch hier wird zunehmend die Aufwendung von Arbeit durch die Nutzung von Gütern ersetzt.

So kann man zwar vorgehen, das aber als exakte und objektive Wissenschaft zu legitimieren, als das Modell, wie wir auch in Zukunft wirtschaften sollen, ist zumindest fragebedürftig. Wenn es um die Modernisierung dieser bisher verengten Wirtschaftstheorie geht, dann ist es vielmehr notwendig, erstens einen ganzheitlichen Arbeitsbegriff zu definieren[3] und einzuführen, zweitens die Frage aufzuwerfen, wie eine Bewegung in Gang gesetzt werden könnte, die es den bisher abhängig Beschäftigen erlauben würde, auch in ihrer beruflichen Arbeit selbständig handelnde und kooperierende Subjekten zu sein, und drittens die Frage zu diskutieren, was Politik tun könnte, um diesen Emanzipationsprozess in Gang zu setzen wie zu unterstützen.

Aber bleiben wir erst einmal bei dem produzierenden Unternehmen. Das kauft Naturstoffe, menschliche Arbeitskraft und Finanzmittel und setzt sie im Kapitalinteresse so produktiv wie möglich ein. Das ist das Grundverständnis dafür, die Kosten für den Einsatz der drei Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital so niedrig wie möglich zu halten, zuvörderst jedoch Lohnkosten und Umweltauflagen. Industrielle Arbeitsplätze sind deshalb in andere Länder verlagert worden, wo Menschen weniger gut bezahlt werden und die Umweltauflagen geringer sind. Kann nun die zukünftige politische Strategie darin bestehen, Löhne und Umweltauflagen zu senken? Ich denke, nein, wenngleich man hört, dass die Regierung in Großbritannien nach ihrem Austritt aus der EU genau solche Ziele verfolgen will.

Das Subjekt der Wirtschaftstheorie ist der selbständig handelnde Mensch. Aber selbständig handeln können noch nicht alle Menschen und noch nicht überall. Die meisten von uns sind abhängig beschäftigt, weil sie in einer Geldwirtschaft gezwungen sind, ihre Arbeitsfähigkeit für Geld zu verkaufen, das sie zur Finanzierung ihres Lebensunterhalt benötigen, und zweitens folgen sie, wenn sie ihre Arbeitsfähigkeiten verkauft haben, nicht länger ihren eigenen, sondern den Zielen eines Unternehmens.

Das Ziel, alle Menschen zu freien und selbständig Handelnden zu machen, ist richtig. Und es muss aufrecht erhalten werden. Es sollte nur für alle Menschen gelten. Schließlich stellte Immanuel Kant, der deutsche Philosoph der Aufklärung, bereits vor 200 Jahren fest, dass kein Mensch länger als bloßes Mittel für die Ziele von anderen eingesetzt werden dürfe. Im Gegensatz zu ihm konnte Thomas Hobbes noch 1561 im „Leviathan“ schreiben, dass Arbeit eine Ware wie alle anderen sei[4]. Sklaverei und Leibeigenschaft wurde bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgeschafft. Warum nicht auch die Lohnsklaverei? Das wäre wünschenswerter, als sich nur auf das selbständige, kapitalorientierte Handeln von einer bisher geringen Zahl von Selbständigen zu konzentrieren.

Um das für mehr Menschen zu erreichen, schlage ich vor, die bestehende Aufspaltung des Arbeitsbegriffs in die Arbeit von selbständig Handelnden einerseits und abhängig Beschäftigten andererseits mehr in den Vordergrund der Diskussion zu rücken, und das selbständige Handeln von Menschen außerhalb der Produktion als Arbeit anzuerkennen, auch wenn es sich nicht mit dem Ziel der Kapitalverwertung erfolgt. E i n objektiver, exakt definierter Arbeitsbegriff ist erforderlich und dieser muss auch mit dem der Naturwissenschaften übereinstimmen.

In jüngster Zeit ist es vor allem der amerikanischen Philosophin Elizabeth Anderson zu verdanken, dass sie uns die Vernachlässigung der noch nicht frei handeln könnenden Menschen wieder bewusst gemacht hat. Anderson führt in „Private Regierung“ (S. 26 und 27) aus: „Auf gewöhnlichen Märkten kann ein Verkäufer die angebotenen Produkte an einen Abnehmer verkaufen und sobald der Vorgang abgeschlossen ist, geht jeder für sich so frei seiner Wege wie zuvor. Arbeitsmärkte sind anders. Sobald Arbeitnehmer ihre Arbeit an einen Arbeitgeber verkaufen, händigen sie sich selbst dem Boss aus, dem es dann gestattet ist, sie herum zu kommandieren… Anstatt den Verkäufer wieder frei davonziehen zu lassen, unterstellt der Arbeitsvertrag den Verkäufer der Arbeit der Autorität seines Chefs. Seit dem Niedergang der Arbeiterbewegung haben wir jedoch keine wirkungsvollen Formen mehr, über diesen Sachverhalt zu sprechen und somit auch darüber, welche Art von Autorität Vorgesetzte über ihre Untergebenen haben sollten und welche nicht… Zwei Fragen möchte ich im Folgenden beantworten. Erstens: Warum reden wir so, als ob Arbeitnehmer bei der Arbeit frei sind und als ob die einzigen Gefahren für unsere individuelle Freiheit vom Staat ausgehen? Zweitens: Wie sähe ein Rahmen aus, in dem sich besser darüber reden ließe, wie die Arbeitgeber das Leben von Arbeitnehmern einschränken, so dass sich dann auch eine Diskussion darüber führen ließe, wie man Arbeitsplätze so gestalten kann, dass sie den Interessen der Arbeitnehmer mehr entgegenkommen?“

Wir realisieren heute, dass der Käufer von Arbeit, das selbständig handelnde Subjekt des Wirtschaftsprozesses, nur begrenzt über die gekaufte Arbeit verfügen kann, weil es sich dabei um eine dem sie leistenden Menschen innewohnende Fähigkeit handelt. Diese Fähigkeit, diese Kraft bleibt auch nach ihrem Verkauf unveräußerlich mit dem sie leistenden Menschen verbunden. In den Unternehmen gibt es keinen Produktionsfaktor Arbeit, sondern arbeitende Menschen. Arbeit ist auch kein Humankapital. Karl Polanyi hatte schon 1944 in „The Great Tranformation“ über die Warenfiktion der Arbeit geklagt.

Anderson kennzeichnet die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und ihren abhängig Beschäftigten als „private Regierung“ . Sie stellt fest, dass diese Regierung genauso wenig öffentlich thematisiert wird, wie früher die häusliche Gewaltausübung im Privathaushalt, aus der sich Öffentlichkeit und Politik heraushalten sollten. Wie gut, dass diese Ansicht heute überwunden ist. Wenn es Collier um die „Zukunft des Kapitalismus geht, dann stellt sich nun die Frage, welche Vorschläge er zudem macht, damit zukünftig mehr Menschen frei und selbständig handeln können.

Leider besteht sein einziger konkreter Vorschlag darin, gut ausgebildete und gut verdienende Menschen in prosperierenden Agglomerationen, wie z. B. in London/UK, mit einer Zusatzsteuer auf ihr relativ hohes Einkommen zu belasten, mit dem die Regierung regionalen Globalisierungsverlierern helfen könnte. Collier erwähnt zwar, dass die Bezieher von relativ höheren Einkommen in London auch höhere Lebenshaltungskosten haben, und er ist sich daher nicht sicher, ob die Relation zwischen Einkommen und Ausgaben wirklich groß genug ist, um zusätzliche Einnahmen erwarten zu können. Doch diesen Vorschlag als einziges Instrument anzubieten, um Regionen wieder attraktiv zu machen, neue Unternehmen anzusiedeln, Arbeitsplätze zu schaffen und Steuern zu generieren, ist doch wohl nicht ausreichend. Collier schreibt zwar, dass „the ideologues of the right believe that as long as governments do not interfere, market forces will address the problem,“ stellt auch selbst fest: „Unfortunately, this is merely an ideological belief… The market responds to the collapse of a cluster, but not by replacing it with a new one.“ (S. 129) Und da muß man ihm zustimmen, denn nirgendwo sind deindustrialisierte Regionen von allein wieder aufgeblüht, sondern immer hat es öffentlicher Aktivitäten und öffentlicher Mittel bedurft, z. B. durch die EU, die u.a. den neuen Busbahnhof in Coventry finanzierte. Aber warum ausschließlich die abhängig Beschäftigten das bezahlen sollen, ist eine von ihm nicht beantwortete Frage.

Darüber hinaus verwundert es, dass Collier nicht ein einziges Mal im Zusammenhang mit dem Rückgang von Industriearbeitsplätzen den Strukturwandel erwähnt. Mit Strukturwandel wird die relative Bedeutungsverschiebung von Arbeitsplätzen und Bruttowertschöpfung in den drei Wirtschaftssektoren bezeichnet. Zuerst gehen Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Landwirtschaft zurück, während die Bedeutung der Industrie zunimmt. Ab den 70er Jahren verliert dann der industrielle Sektor und die Bedeutung des tertiären Sektors der Dienstleistungen nimmt zu. Ohne hier näher darauf eingehen zu können, ist es doch wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass in entwickelten Volkswirtschaften heute zwei Drittel von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung aus dem Dienstleistungssektor kommen. Die Gründe dafür sind, natürlich, vielfältig. Eine Rolle spielt dabei sicher auch, dass Arbeit durch Rationalisierungsmaßnahmen produktiver gemacht und durch Technik ersetzt wird. Auch hierzu gab es öffentliche Programme, um die „Humanisierung“ der Arbeit, d. h. die Anpassung der Arbeit an den Menschen und nicht umgekehrt, voranzubringen.

Während Jean Fourastié in „Die große Hoffnung des zwanzigsten Jahrhunderts“ bereits 1954 die Folgewirkungen der Rationalisierungen für die Arbeitsplätze untersuchte und zu dem Schluss kam, dass nur im Dienstleistungssektor neue Arbeitsplätze entstehen könnten, weil der tertiäre Sektor vergleichsweise nicht so rationalisierungsfähig sei, wie der primäre und sekundäre, müssen wir heute befürchten, dass seine Hoffnungen nicht eintreffen werden. Die Digitalisierung der Arbeit ermöglicht es in Zukunft, auch im Dienstleistungssektor Arbeitsplätze durch Technik zu ersetzen. Es wäre dann übrigens auch die Frage zu stellen, warum von Regierungen gerade Arbeit immer höher besteuert wird und daher immer teurer gemacht und infolgedessen wegrationalisiert wird, wenn doch die Regierung gleichzeitig sagt, mehr Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Adam Smith, der „Vater der ökonomischen Theorie“, hatte bereits 1776 gefordert, Arbeitseinkommen überhaupt nicht zu besteuern, sondern nur Güter[5].

Umweltökonomen, wie Hans-Christoph Binswanger u. a. haben in „Arbeit ohne Umweltzerstörung, Strategien einer neuen Wirtschaftspolitik“, bereits 1983 festgestellt, dass unser Wirtschaftssystem falsch steuert: Arbeit wird zu hoch besteuert und dadurch fallen Arbeitsplätze weg. Naturstoffe werden dagegen zu wenig oder gar nicht besteuert, z. B. Flugzeugbenzin oder der Handel von Finanzprodukten. Auf Arbeitseinkommen muss Lohnsteuer gezahlt werden und zusätzlich kommt auf die damit erworbenen Lebensmittel noch die Mehrwertsteuer. Binswanger plädierte dafür, diese Vorgehensweise umzukehren. Naturstoffe sollten stärker besteuert und die so erzielten öffentlichen Mehreinnahmen sollten dazu genutzt werden, die Arbeitskosten zu verbilligen, z. B. durch die Reduzierung der Sozialversicherungskosten. Die Ressourcennutzung sollte relativ teurer und die Arbeitskosten sollten relativ billiger werden. Sein gut begründetes Plädoyer war der erste Vorschlag für eine aufkommensneutrale Ökosteuer Reform. Wenn allerdings 40 Jahre später von Ökosteuern die Rede ist, dann werden sie nur als willkommene Mehreinnahmen für die öffentlichen Kassen angesehen. Von der Reduzierung der Arbeitskosten ist nicht mehr die Rede. Man fragt sich, warum?

Es bleibt die Frage, ob eigentlich eine Theorie, die das von Menschen ersonnene Mittel des Wirtschaftens zu ihrem Ziel macht, und einen Umgang mit Mensch und Natur legitimiert, als seien diese verfügbare Objekte, realitätsgerecht und fair ist – und wenn man diese Frage verneint, dann kommt man nicht darum herum, sich mit der Modernisierung der bisherigen Wirtschaftstheorie und ihren historischen Annahmen befassen zu müssen – ganz zu schweigen von wirksamen nachhaltigen Maßnahmen gegen die Entlebendigung von Natur. Es ist wirklich bedauerlich, dass Collier dazu nichts zu sagen hat.


Die Buchtitel:

Elizabeth Anderson: Private Regierung – Wie Arbeitgeber über unser Leben herrschen (und warum wir nicht darüber reden), Suhrkamp Verlag, 2019

Paul Collier: The Future of Capitalism – Facing the New Anxieties, Allen Lane UK, 2018


Irene Schöne ist promovierte ökologische Ökonomin, hat viele Artikel veröffentlicht und die folgenden Bücher:

  • Ökologisches Arbeiten – Zur Theorie und Praxis ökologischen Arbeitens als Weiterentwicklung der marktwirtschaftlich organisierten Arbei, Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden, 1988
  • Wirtschaften in Schleswig-Holstein, Analysen und Perspektiven (Hrsg.), Edition Studio Schleswig.Holstein, Raisdorf, 1994

– FAIR ECONOMICS – Nature, Money And People Beyond Neoclassical Thinking, Green Books, Cambridge/UK, 2015


[1] vgl. Mann, Bradley, Hughes, in „Nature„, 23. 4. 1998. Für diesen Anstieg wurde der „Hockey stick“ als Bild gewählt. Und diese naturwissenschaftliche Entdeckung stellt eine „inconvenient truth“ dar (Al Gore).

[2] Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, erstmals veröffentlicht 1776, Petersfield, 2007, S. 233

[3] vgl. Irene Schöne, Ökologisches Arbeiten, Zur Theorie und Praxis ökologischen Arbeitens als Weiterentwicklung der marktwirtschaftlich organisierten Arbeit, Wiesbaden, 1988

[4] und damit offensichtlich Skalven meinte

[5] Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of The Wealth of Nations, erstmals veröffentlicht 1776, Petersfield, 2007, S. 563

Beirat für „Sustainable Finance“ nimmt Arbeit auf

06.06.2019

Deutschland soll zu führendem Standort für nachhaltige Finanzen werden

Der Beirat soll die Bundesregierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Sustainable Finance-Strategie beraten, bestehende Expertise bündeln und den Dialog zwischen den relevanten Akteuren fördern.

Die Bundesregierung hat heute einen Beirat für „Sustainable Finance“ eingesetzt. Der Beirat soll die Bundesregierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Sustainable Finance-Strategie beraten, bestehende Expertise bündeln und den Dialog zwischen den relevanten Akteuren fördern. Unter Sustainable Finance (nachhaltige Finanzen) versteht die Bundesregierung die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei Entscheidungen der Finanzmarktakteure. Das Gremium setzt sich zusammen aus Vertretern und Vertreterinnen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie verschiedener Bundesressorts.

Gruppenfoto
Foto © Bundesministerium der Finanzen

Um nachhaltiges Handeln im Finanzsektor zu stärken, wird derzeit auf Initiative des Bundesfinanz- und des Bundesumweltministeriums sowie in enger Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium eine Sustainable Finance Strategie für Deutschland entwickelt. Dabei geht es auch darum, Sustainable Finance als Wettbewerbsvorteil zu nutzen, um den Finanz- und Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig zu stärken.

Finanzstaatssekretär Dr. Jörg Kukies: „Für Finanzmarktakteure ist es bereits aus Eigeninteresse eine Pflicht, Umwelt- und Klimarisiken bei der Kreditvergabe, Anlagen oder in Versicherungsverträgen zu berücksichtigen. Das sehen nicht nur das Bundesfinanzministerium und die Finanzaufsicht so, sondern inzwischen auch mehrheitlich die Finanzindustrie selbst. Finanzmarktakteure sollten aber auch die Chancen nutzen, die sich aus dem Wandel der Realwirtschaft hin zu einer nachhaltigeren und klimafreundlicheren Wirtschaft ergeben. Wir unterstützen Sustainable Finance schon seit langem auf globaler europäischer und nationaler Ebene. In Deutschland gibt es bereits eine sehr hohe Expertise in diesem Bereich und wir erhoffen uns von dem heute einberufenen Beirat, dass er die Bundesregierung mit seiner Expertise unterstützt und der Finanzindustrie wertvolle Impulse gibt.“

Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth: „Die Umsetzung der Energie-, Klima- und Nachhaltigkeitsziele betrifft auch den Finanzsektor. Ein zukunftsgerichtetes, nachhaltig ausgerichtetes Finanzsystem ist eine tragende Säule für den Wohlstand unserer Volkswirtschaft und unserer Gesellschaft. Daher ist es unerlässlich, jetzt die Weichen zu stellen: Ökologische und soziale Aspekte müssen bei Investitionsentscheidungen viel mehr als bisher berücksichtigt werden. Verbindliche Offenlegungsregeln zu den Klima- und Umweltauswirkungen einer Investition etwa sind hierfür ein wichtiger Hebel. Das gute ist, dass Rendite und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Unternehmen, die sich ökologische soziale Auflagen setzen, mindern Investitionsrisiken und werden dadurch auch finanziell erfolgreicher. Nachhaltigkeit ist eine Chance, neue Wege zur Wertschöpfung zu erschließen.“

In der konstituierenden Sitzung des Beirats vom 06.06.2019 hat sich dieser ein umfangreiches Arbeitsprogramm gegeben und Karsten Löffler von der Frankfurt School of Finance & Management zu seinem Vorsitzenden bestimmt.

Der Politische Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Christoph Bals, nimmt heute an der ersten Sitzung des neuen Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung teil. Auf Einladung von Finanz- und Umweltministerium sollen Vertreter aus Finanz- und Realwirtschaft sowie Zivilgesellschaft und Wissenschaft eine nachhaltige Finanzstrategie für die Bundesregierung erarbeiten. Das Ziel ist, Deutschland als einen führenden Standort für nachhaltige Finanzen zu etablieren.

Der Politische Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Christoph Bals, nimmt heute an der ersten Sitzung des neuen Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung teil. Auf Einladung von Finanz- und Umweltministerium sollen Vertreter aus Finanz- und Realwirtschaft sowie Zivilgesellschaft und Wissenschaft eine nachhaltige Finanzstrategie für die Bundesregierung erarbeiten. Das Ziel ist, Deutschland als einen führenden Standort für nachhaltige Finanzen zu etablieren.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Christoph-Bals-Germanwatch-Foto-©-Gerhard-Hofmann-Agentur-Zukunft-für-EÖR.jpg

Germanwatch begrüßt die Gründung des Sustainable Finance-Beirats. „Eine Rahmensetzung für die Finanzmärkte ist eine wichtige Ergänzung zur realwirtschaftlichen Steuerung etwa durch Klimaschutzgesetz und CO2-Preis. Nur so können die Finanzmärkte endlich eine positive Hebelwirkung für Klimaschutz und Menschenrechte entfalten“, sagt Christoph Bals. „Durch die bisherigen Rahmensetzungen tragen die Finanzmarktakteure meist zur Tragödie des kurzfristigen Horizontes bei. Die fehlenden zukunftsorientierten Transparenzvorgaben bezüglich der klimabedingten Risiken und sozialen Kosten machen es bisher nicht möglich, diese Faktoren in Finanzierungs-, Rating- und Anlageentscheidungen angemessen einzubeziehen. Kurzfristigkeit, Risiken, Transparenz –  diese zentralen Herausforderungen muss der Sustainable Finance-Beirat angehen.“ Der Beirat biete mit seiner Expertise und breiten Repräsentanz verschiedener Interessenvertreter eine große Chance, die mögliche transformative Wirkung der Finanzmärkte für ambitionierten Klimaschutz und den Schutz der Menschenrechte freizusetzen. Bals: „Eine wirksame Sustainable Finance-Strategie sollte Maßnahmen mit klaren, zeitnahen Umsetzungsplänen beinhalten. Zentral ist dabei das wirkungsvolle Zusammenspiel von Finanzmarkt und den notwendigen transformativen Veränderungen in der Realwirtschaft.“


->Quelle: bmu.de/pressemitteilung/beirat-fuer-sustainable-finance-nimmt-seine-arbeit-auf