Allen Verbrauchern nachhaltigen Konsum ermöglichen

 Programm der Bundesregierung – NABU-Kritik

Äpfel - Foto © Veronika Neukum, Agentur ZukunftBio-Lebensmittel, Car-Sharing,Fair Trade – ein umweltbewusstes Leben zu führen ist gefragter denn je. Gleichwohl werden noch viele ressourcenintensive Produkte hergestellt und verbraucht. Um den nachhaltigen Konsum zu stärken, hat das Kabinett ein nationales Programm beschlossen, und jetzt den Bundestag unterrichtet (18/7732) hat. “Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht”, kritisiert der NABU das Programm der Bundesregierung. Denn es gleiche nur einer Roadshow an guten Ideen, die längst schon aus anderen Bereichen bekannt seien.

Der nachhaltige Konsum soll aus der Nische in den Mainstream befördert werden, ist eine der fünf Leitideen des Nationalen Programms für nachhaltigen Konsum der Bundesregierung.  Im Zusammenhang damit soll allen Verbrauchern nachhaltiger Konsum und die Teilhabe daran ermöglicht werden. Auch soll künftig eine Lebenszyklus-Perspektive auf Produkte und Dienstleistungen angewandt werden. Nach Vorstellung der Bundesregierung soll zudem der Produktfokus durch eine Systembetrachtung ersetzt werden.

Die Bundesregierung hält nachhaltigen Konsum für bedeutungsvoll, da der private Konsum für einen “großen Teil der Ressourceninanspruchnahme und der Umwelteinflüsse” verantwortlich sei. Nachhaltiger Konsum bedeute, “heute so zu konsumieren, dass die Bedürfnisbefriedigung heutiger und zukünftiger Generationen unter Beachtung der Belastbarkeitsgrenzen der Erde nicht gefährdet wird”, heißt es in dem Programm. Dies sei nicht nur in Hinblick auf den Klimaschutz wichtig, sondern beispielsweise auch in den Bereichen Biodiversität und Ressourcenschonung.

Um den nachhaltigen Konsum zu fördern, sollen nach Vorstellungen der Bundesregierung politisch diverse übergreifende Handlungsansätze verfolgt werden. So sollen unter anderem eine gesellschaftliche Diskussion über Nachhaltigkeit angeregt, Verbraucherinformationen mit stärkerem Nachhaltigkeitsbezug gestaltet, in Forschung zu dem Thema investiert und ein Monitoring für nachhaltigen Konsum eingeführt werden. Zudem werden in dem Programm sechs “Bedürfnisfelder” samt jeweiliger “Maßnahmenbereiche” identifiziert. Im Bereich “Mobilität” etwa wird eine Privilegierung klimafreundlicher Mobilitätsformen vorgeschlagen. Im Bereich “Haushalt und Wohnen” sind unter anderem Ansätze zur “Förderung neuer Wohnformen in der Gemeinschaft” sowie eine “Reduktion des konsumbedingten Haushaltsmülls” vorgesehen.

Laut dem Programm ist zudem bereits eine interministerielle Ressort-Arbeitsgruppe eingerichtet worden, um die Umsetzung des Programmes zu begleiten. Es sei zudem beabsichtigt, ein Kompetenzzentrum beim Umweltbundesamt anzusiedeln. Dieses Zentrum soll wiederum ein Netzwerk “Nachhaltiger Konsum” koordinieren, das die Kooperation zwischen Akteuren aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fördern soll. (hib/SCR)

NABU: “Willensbekundung statt Umsetzungsstrategie”

“Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht”, kritisiert der NABU das Programm der Bundesregierung. Denn es gleiche nur einer Roadshow an guten Ideen, die längst schon aus anderen Bereichen bekannt seien.

Energieverbrauchshinweis bei Fernsehgerät - Foto: NABU/Sebastian Hennigs Energieverbrauchshinweis bei Fernsehgerät – Foto © NABU/Sebastian Hennigs

Der NABU begrüßt, dass sich die Bundesregierung das Thema nachhaltiger Konsum auf die Agenda gesetzt hat. Allerdings müssen die Inhalte des Programms an messbare Indikatoren, quantifizierbare Ziele und einen fest definierten Zeitrahmen gekoppelt werden. Auch ist es notwendig, das Programm mit ausreichenden finanziellen Mitteln zu hinterlegen und nachhaltigen Konsum als ernsthaftes und überprüfbares Politikziel zu etablieren.

Aus Sicht des NABU wäre die Regierung gut beraten gewesen, drei bis vier wirkungsvolle Maßnahmen zu beschließen, deren Umsetzung sie tatsächlich in der Hand hat. Dazu zählt beispielsweise, nachhaltigere öffentliche Beschaffungskriterien zu beschließen, als die bloße Umsetzung der EU-Vergaberichtlinien. Das derzeitige Vergaberecht hilft insbesondere klammen Kommunen nicht, ihre Aufträge mit mehr ökologischen und sozialen Anforderungen auszustatten.

Stattdessen wirkt das Programm nun wie eine Roadshow an guten Ideen, die längst schon aus anderen politischen Programmen und Strategien bekannt sind. Entscheidend ist es 2016 jedoch, tatsächlich darauf Einfluss zu nehmen, unseren ressourcenverschwendenden und klimaschädlichen Lebensstil in Deutschland zu verändern. Die Umsetzung von wirkungsvollen Maßnahmen hätte dabei eine Priorisierung erfahren müssen und jeweiligen Kommunikations- beziehungsweise Sensibilisierungsmaßnahmen zugeordnet werden können. Angesichts der Kompetenz und des Sachverstands von zivilgesellschaftlichen Organisationen beim Thema nachhaltiger Konsum, hätte es dem Programm gut getan, diese im Vorfeld einzubeziehen.

Aus der Mitteilung der Bundesregierung
Nachhaltigen Konsum in den Bereichen Haushalt und Wohnen, Mobilität, Ernährung, Büro und Arbeit, Bekleidung sowie Tourismus und Freizeit systematisch ausbauen

Die Verbraucherbildung und -information, die Forschung, eine umweltgerechte Produktgestaltung, Umwelt- und Sozialzeichen sowie das Monitoring sollen ausgebaut werden. Jeder und jede soll am nachhaltigen Konsum teilhaben können – unabhängig vom Geldbeutel.

Das Programm nennt die Ziele und Maßnahmen für nachhaltigeren Konsum. Bereits vorhandene Strategien, Förderprogramme und Regelungen werden in ihm zusammengeführt und weiterentwickelt.

Zugleich will das Programm eine Plattform für die gesellschaftliche Diskussion über die Weiterentwicklung des Konsumverhaltens schaffen. Es ist Teil der Gesamtstrategie der Bundesregierung für mehr Nachhaltigkeit.

Jeder kann zu mehr Nachhaltigkeit beitragen

Studien belegen für bestimmte Bereiche die steigende Nachfrage von Verbrauchern nach “grünen” Produkten. Ebenso ist eine große Bereitschaft zum Umstieg auf umweltfreundliche Alternativen vorhanden. Zumal, wenn diese noch einen persönlichen Mehrwert bringen und zugleich Kosten sparen. Wie etwa der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad bei Kurzstrecken häufig zeigt.

Jeder kann – häufig bereits mit kleinen Maßnahmen – beeinflussen, unter welchen Bedingungen Produkte erzeugt, Dienstleistungen erbracht und welche Ressourcen und Energie dafür benötigt werden. Dennoch ist der Konsum noch immer nur zu einem Bruchteil nachhaltig. Mit Gas oder Öl heizen, Benzin oder Diesel tanken: Dieser Verbrauch schadet dem Klima.

Auch Produzenten sind gehalten, ihre Produkte so langlebig, ressourcen- und energieeffizient sowie reparaturfreundlich wie möglich zu gestalten.

Nachhaltiger Konsum ist möglich

Bereits jetzt gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich nachhaltig zu verhalten. Mit Umweltplaketten wie dem “EU-Energielabel” oder dem “Blauen Engel” können Verbraucherinnen und Verbraucher etwa schnell erkennen, welche Geräte besonders energieeffizient sind. Und auf dem Internetportal www.siegelklarheit.de können sich Konsumenten seit 2014 über den Inhalt eines Standards, eines Gütesiegels sowie dessen Umsetzung und Überprüfung informieren.

Ebenfalls seit 2014 gibt es das Bündnis für nachhaltige Textilien www.textilbuendnis.com Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Regierung haben einen gemeinsamen Aktionsplan entwickelt, der für die gesamte Lieferkette soziale, ökologische und ökonomische Standards vorsieht.

Auch auf der Verwaltungsebene wird nachhaltiger Konsum gestärkt: Das Maßnahmenprogramm “Nachhaltigkeit” der Bundesregierung, die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung, das Informationsportal des Umweltbundesamtes sowie die Online-Beschaffungsplattform “Kompass Nachhaltigkeit” machen konkrete Vorgaben zur nachhaltigen Beschaffung.

Eine Regierungsarbeitsgruppe beschäftigt sich zudem mit der Frage, wie sich ein Indikator für nachhaltigen Konsum definieren lässt. Er könnte Eingang in die nationale Nachhaltigkeitsstrategie finden, die derzeit fortgeschrieben wird.

Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung fordert alle Mitgliedsstaaten explizit dazu auf, nachhaltige Produktions- und Konsummuster herzustellen. Nachhaltigkeitsstandards für globale Lieferketten in Handel und Produktion sind auch ständiges Thema der G7–Konferenz.

->Quellen: