BlackRock ist nicht grün

Eine Recherche von Monitor: Friedrich Merz und BlackRock

In einem am 15.01.2020 auf Solarify (solarify.eu/fundamentale-umgestaltung-der-finanzwelt) dokumentierten Brief an seine Kundschaft kündigte der CEO der mächtigen US-Investmentfirma BlackRock an: “Nachhaltigkeit wird BlackRocks neuer Investmentstandard”. Der SPIEGEL hatte bereits am Vortag, dem 14.01.2020, begeistert geschrieben: Wenn es noch eines Beweises für den Erfolg von “Fridays for Future” bedurft hätte, habe ihn Larry Fink mit seinem Brandbrief an Topmanager weltweit führender – auch deutscher – Konzerne „gerade erbracht“.  Die Botschaft: Die Herren sollten sich gefälligst mehr um den Klimaschutz kümmern. Fink drängte die Konzernchefs in dem Schreiben zum Umbau ihrer Firmen. Zwar nähmen die Märkte das Risiko von Klimaveränderungen für Wirtschaftswachstum und Wohlstand nur zögerlich zur Kenntnis, “aber das Bewusstsein der Bürger ändert sich rasant, und ich bin überzeugt, dass wir vor einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt stehen”. Doch am 03.12.2020 meldete das TV-Magazin Monitor Zweifel an: Der Finanz-Gigant stecke nach wie vor Milliarden in nicht nachhaltige und klimaschädliche Projekte.

BlackRock, in dessen Aufsichtsrat (der deutschen Tochter) Friedrich Merz von 2016 bis Ende März 2020 saß, verwaltet nach eigenen Angaben 7,8 Billionen US-Dollar, knapp doppelt so viel wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt (2019: $ 4,2 Bio.). Kommentar von Monitor: „Das neue Nachhaltigkeitsversprechen kam Friedrich Merz im Rennen um den CDU-Vorsitz sehr gelegen.“ Aus seiner bleibenden Verbundenheit mit dem Investitionsriesen machte Merz keinen Hehl – so etwa in der ARD-Talkshow Anne Will am 15.11.2020 – dort lobte er BlackRock („wahrscheinlich eines der zukunftsfähigsten Unternehmen im Kapitalmarkt schlechthin“) dafür, „dass dieses Unternehmen das erste war, das sich zu diesen Themen so geäußert hat, dass zum Beispiel ökologische, soziale und gesellschaftliche Themen eine Rolle spielen – auch in den Kapitalmärkten“.

Das hat verständlicherweise neugierige Journalisten und Umweltschützer auf den Plan gerufen, die nachzufragen begannen (einige schon nach Finks Schreiben), ob das mit dem ökologischem Bekenntnis mehr sei als übliches Greenwashing. Und sie wurden fündig: BlackRock lege das Geld seiner Kunden weltweit besonders in CO2-intensive Geschäfte an. Monitor listet auf: Exxon Mobil, Chevron oder BP – und umfangreiche Investments in der Kohle-, Automobil- und Zementindustrie. Umweltorganisationen nahmen – so eine Veröffentlichung von Urgewald vom 27.01.2020 – zwölf der klimaschädlichsten Großprojekte weltweit unter die Lupe, so etwa Ölbohrpläne in der Tiefsee vor Guyana, Gasfelder in Mosambik und neue Kohlekraftwerke in Bangladesch – mit dem Ergebnis, dass BlackRock mit mehr als 110 Milliarden Euro der größte Investor sei. BlackRock schwieg – ein Merz-Sprecher verwies auf die US-Zentrale.

Das liege daran, dass BlackRock vor allem in sogenannte Indexfonds investiere, die Aktienindizes wie den DAX nachbilden. Aber von dieser Art Aktien könne man sich „naturgemäß nicht trennen“, teilte BlackRock auf Monitor-Anfrage dann doch mit. Christian Klein, Kasseler Experte für nachhaltige Finanzwirtschaft ist denn auch schnell mit seiner Analyse zur Hand: Von einer Vorreiterrolle beim Klimaschutz oder sozialer Verantwortung könne bei BlackRock keine Rede sein. Ganz klar ist im Monitor-Beitrag auch Andreas Hoepner, Experte für nachhaltige Finanzprodukte am University College Dublin: „BlackRock ist einer der der drei größten Käufer, im Regelfall von Standardanleihen, die Öl-, Gas und Kohlefirmen hauptsächlich zur Finanzierung klimaschädlicher Projekte nutzen. Das kann man so klar sagen.“ Wie es Unternehmen wirklich mit dem Klimaschutz hielten, zeige sich am Kauf sogenannter „brauner Anleihen“, die es etwa großen Mineralölfirmen ermöglichen, weiter umweltschädliche Projekte zu finanzieren.

Auch Untersuchungen etwa von Finanztest (Juli 2020) fördern wenig Positives zutage: Dort hätten „nachhaltige“ angeblich ethisch-ökologische Fonds von BlackRock in vier von fünf Fällen in puncto Nachhaltigkeit am schlechtesten abgeschnitten, so das WDR-Polit-Magazin.

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