Bischöfe drehen pax christi den Hahn ab

Wegen 60.000 Euro

VDD - logoEin bislang anonymes Wirtschaftsberatungsunternehmen hat dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) empfohlen, alle Gelder für die Bundesebene der internationalen pax christi-Bewegung zu streichen. Es handelt sich um jährlich 60.000 Euro, mit denen bislang über den VDD die pax-christi-Arbeit auf Bundesebene gefördert wird. Das ist ein Fünftel des ansonsten aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden bestrittenen Budgets. Das bundesweite VDD-Zuschussvolumen beträgt über 125 Millionen Euro, sodass die bisherige Unterstützung von pax christi weniger als 0,05 Prozent ausmacht

Der Kahlschlag würde nach Angaben der Vorsitzenden Wiltrud Rösch-Metzler die überregionale Arbeitsfähigkeit der deutschen Sektion infrage stellen. Der hauptamtliche Anteil ist ohnehin schon so gering, dass er wohl von keinem anderen kirchlichen Verband unterboten wird. Was sich milliardenschwere Bistümer davon versprechen, jährlich 2.000 oder 3.000 Euro pax-christi-Bundeszuschuss einzusparen, ist bislang nicht bekannt.

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Matthias Drobinski,  es gebe “offiziell keinen inhaltlichen Grund dafür, dass die Bischöfe Pax Christi nicht mehr mitfinanzieren wollen. Der VDD will sich schon jetzt auf die Zeit vorbereiten, in der die Kirchensteuer nicht mehr so üppig fließt, und seinen Haushalt nicht über ein Volumen von 120 Millionen Euro hinaus ausweiten. Eine Sparkommission aus vier Bischöfen, vier Generalvikaren und einer Unternehmensberatung hat die Arbeitsbereiche und Finanzierungen des VDD eingeteilt: in wichtig, der Prüfung bedürftig und unwichtig. Pax Christi landete in der Kategorie C – kann wegfallen, wie auch das Frauenmissionswerk oder der wissenschaftliche Dienst.”

Neues RuhrWort logoIm Neuen Ruhrwort heißt es: “Es muss den pax-christi-Verantwortlichen wie Hohn vorkommen: In einem Brief an die Bundesvorsitzende, Wiltrud Rösch-Metzler, schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, pax christi werde ‘auch weiterhin als wichtige Stimme in der kirchlichen Debatte über den Frieden geschätzt’. Und die Arbeit für den Frieden heften sich die deutschen Bischöfe auch regelmäßig dezidiert an die Fahne. Umso bitterer, dass dem Fachverband nun der Boden für seine Existenz entzogen werden könnte.”

pax christi - Logopax christi appelliert an die Bischöfe: Mittelstreichung zurückzunehmen – pax christi-Friedensarbeit weiter fördern!

„Wir appellieren an die Deutschen Bischöfe, die Streichung der Fördermittel für die  deutsche Sektion von pax christi zurückzunehmen“, erklärte die pax christi-Bundesvorsitzende Wiltrud Rösch-Metzler:  „Ab 2018 will der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) die Friedensbewegung pax christi von der Liste derer streichen, die Zuschüsse aus Kirchensteuern erhalten. Fehlt der Zuschuss der Katholischen Kirche, gefährdet dies die einzig verbliebene inhaltliche Stelle der pax christi-Sektion, nämlich die unserer hauptamtlichen Generalsekretärin“, verdeutlicht Rösch-Metzler.

Beim Sparplan der Bischöfe geht es für die deutsche pax christi-Sektion um 60.000 Euro im Jahr. pax christi bringt 80 Prozent seiner Mittel für die Arbeit auf Bundesebene aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden auf. Seit 1999 hat der VDD pax christi den Zuschuss um 35 Prozent gekürzt. Ab 2018 soll der gesamte Zuschuss ohne Ankündigung und Begründung wegfallen.

„Dieser Beschluss erscheint uns willkürlich. pax christi die Gelder zu streichen ist nicht nachvollziehbar, weil gerade in der jetzigen Zeit Friedensengagement gefordert ist. Die Ächtung von Atomwaffen,  die Rüstungsexporte, die zivile Konfliktbearbeitung oder die Stärkung der Diplomatie gegenüber Gewalt und Krieg sind die aktuellen Herausforderungen. All das sind Themen, bei denen die pax christi-Gruppen in den Bistümern sich bundesweit koordinieren müssen, um sinnvoll und erfolgreich agieren zu können. Wieso die katholische Friedensarbeit der deutschen pax christi-Sektion keine Aufgabe der Gesamtheit der Bistümer sein soll, ist mir unbegreiflich“, betont Rösch-Metzler und ergänzt:

„Unser Engagement für Gewaltfreiheit findet paradoxerweise aktuell große Anerkennung durch Papst Franziskus. Eine vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und  Frieden und Pax Christi International im April 2016 in Rom erstmalig veranstaltete Konferenz „Gewaltfreiheit und Gerechter Friede – Zum katholischen Verständnis von Gewaltfreiheit beitragen“ hat wegweisende Impulse gesetzt. Der Papst stärkte die pax christi-Forderungen durch sein diesjähriges Motto zum Weltfriedensgebetstag: Gewaltlosigkeit – Ein Politikstil für den Frieden. Um das in Deutschland stark zu machen, braucht pax christi sein Büro in Berlin und dafür den Zuschuss und die Unterstützung der Kirche.“

pax christi hofft weiterhin auf eine Rücknahme der Entscheidung der Bischofskonferenz und setzt auf Dialog auch im Rahmen der katholischen Verbände mit der Bischofskonferenz. Kooperationspartner*innen und Freund*innen von pax christi bittet die Friedensorganisation um Solidarität mit pax christi. Die Internationale Katholische Friedensbewegung pax christi verbindet Gebet und Aktion. Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christ*innen ihren deutschen Geschwistern zur Versöhnung die Hand reichten.

Im Portal Telepolis von Heise-Online war zu lesen, angesichts dieser Relationen dränge sich der Verdacht auf, “dass eine Mehrheit der staatlich besoldeten Bischöfe – im Falle der Zustimmung – eine politische Entscheidung trifft und die unbequemen Pazifisten in der Kirche lahmlegen will. In rein finanzieller Hinsicht wäre der geplante Kahlschlag auch eine Milchmädchenrechnung. Viele kritische Katholiken, die noch immer auf einen Anschluss der deutschen Kirche an den Franziskus-Kurs der Weltkirche hoffen, würden wohl ihren Beitrag zu den derzeit rund 8,5 Milliarden Kirchensteuereinnahmen streichen, wenn die Bischöfe der katholischen Friedensbewegung die Arbeitsgrundlage entziehen.”

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