Beiträge der Kategorie: Wirtschaftsethik

„Begrenzung des Wachstums der Art Mensch“

NeFo-Interview zur Roten Liste bedrohter Arten

IUCN - logoDie Weltnaturschutzunion IUCN hat am 04.09.2016 beim Weltgipfel auf Hawaii ihre aktualisierte so genannte Rote Liste bedrohter Arten veröffentlicht. Als wichtigsten Punkt nennt sie die neue Einstufung mehrerer Menschenaffenarten in die höchste Bedrohungskategorie „Critically threatened“. In tropischen Regionen sei ein Rückgang der Fischbestände zu erwarten. Bleibe der Ausstoß von Treibhausgasen unverändert, dürften die Fangerträge in Südostasien bis 2050 um 10 bis 30 Prozent unter dem Mittel von 1970 bis 2000 liegen. Den großen Pandas geht es allerdings besser. weiterlesen

Erde verbraucht

Erdüberlastungstag: 1,6 Erden wären nötig, um derzeitigen Jahresverbrauch zu decken

Earth Overshoot Day 2016Seit Montag, 08. August 2016, sind die gesamten nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für 2016 verbraucht. Damit hat die Überlastung erneut zugenommen. Im Vorjahr fiel der vom Global Footprint Network berechnete Erdüberlastungstag noch auf den 13. August. Mit einer Aktion in Berlin wollen INKOTA, Germanwatch, BUNDjugend, FairBindung, KATE, PowerShift, Naturschutzjugend (NAJU) und GRÜNE JUGEND – so eine gemeinsame Pressemitteilung – die Bundesregierung auffordern, effektive Maßnahmen zur Senkung des Ressourcenverbrauchs zu beschließen. weiterlesen

Finanzbeamte reden sich heraus:

4. Untersuchungsausschuss (“Cum/Ex”-Ausschuss

Wirtschaftsausschuss - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft 20130415Bei der letzten öffentlichen Sitzung des 4. Untersuchungsausschusses (Cum/Ex) vor der Sommerpause ging es am 07.07.2016  vor allem um eine Tagung der Einkommensteuerreferatsleiter der Finanzministerien der Länder Ende Oktober 2005 – so der parlamentseigene Pressedienst “heute im bundestag”. Dieses Treffen habe der Vorbereitung des Jahressteuergesetzes 2007 gedient, mit dem die steuermissbräuchlichen Aktienleerverkäufe um den Dividendenstichtag zumindest im Inland unterbunden worden seien.

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Paradigmatische Wende der Wirtschaftswissenschaften

Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung

Uwe Schneidewind et al.

“Für einen neuen Vertrag zwischen Wirtschaftswissenschaft und Gesellschaft”

Franz Josef Radermacher vor Hörsaal - Foto © zak.kit.eduVon Beginn an haben die modernen Wirtschaftswissenschaften gesellschaftliche Prozesse nicht nur beobachtet und beschrieben, sondern diese auch selbst katalysiert und beeinflusst. Damit haben sie einer Entwicklung den Weg gebahnt, die neben unbestrittenen Erfolgen zu ökologischen Zerstörungen, sozialen Verwerfungen und immer wiederkehrenden ökonomischen Krisen geführt hat. Mehr denn je braucht es eine transformative Wirtschaftswissenschaft, die insbesondere auch die Bedingungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft analysiert und verbessern hilft.

Über 30 namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz fordern in einem gemeinsamen Aufruf eine paradigmatische Wende der Wirtschaftswissenschaften. Da es neben unbestrittenen Erfolgen auch gravierende ökologische Zerstörungen, soziale Verwerfungen und ökonomische Krisen gibt, brauche es mehr denn je eine Wirtschaftswissenschaft, die insbesondere die Bedingungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft analysiert und hilft, diese zu verbessern. Mit dem Aufruf „Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung“ wollen die Unterzeichnenden eine Diskussion über einen neuen „Vertrag“ zwischen Wirtschaftswissenschaft und Gesellschaft anstoßen. Der Aufruf ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Ökologisches Wirtschaften“ veröffentlicht und steht auf www.oekologisches-wirtschaften.de zum Download bereit. weiterlesen

10 Jahre World’s Most Ethical Companies®

World Most Ethical Companies logoEthisphere bewertet unternehmerische Integrität und hebt „weltweit am meisten an ethischem Handeln orientierte Unternehmen” für Leistungen hervor – Preisträger setzen Maßstäbe für unternehmerisches Handeln und repräsentieren neuen Standard für nachhaltige Unternehmen und langfristigen Erfolg

 Das Ethisphere Institute, eines der bei Festlegung und Weiterentwicklung der Standards für ethische Geschäftspraktiken international führenden Institute, hat die 131 Unternehmen aus 21 Ländern bekannt gegeben, die in der Liste der 2016 World’s Most Ethical Companies® („weltweit am meisten an ethischem Handeln orientierte Unternehmen”) aufgezählt werden. Damit wird diese Bezeichnung zum zehnten Mal vergeben. weiterlesen

Auftragsvergabe künftig ökologisch und sozial – “Bundesregierung verpasst Chance”

Neues Gesetz regelt Vergabekriterien öffentlicher Stellen – Kritik

Künftig sollen sich Entscheidungen über Einkäufe und Aufträge der öffentlichen Hand auch am Umweltschutz und an sozialen Standards ausrichten. Das steht in einem Gesetzentwurf, der eine EU-Richtlinie umsetzt; diese – mit dem Kürzel 2014/23 – 25/EU – erklärt die Einhaltung umwelt-, sozial- und arbeitsrechtlicher Standards zum allgemein gültigen Grundsatz der Auftragsvergabe. Als Produkteigenschaften sollen auch nicht-stoffliche Merkmale und der Produktionsprozess selbst gelten. Das Gesetz (VergRModG – Bundestagsdrucksache 18/6281) ging am 14.08.2015 an den Bundesrat (dieser hat 17 Änderungsvorschläge gemacht), soll im Dezember vom Bundestag beschlossen werden und am 18.04.2016 in Kraft treten. Eine Anhörung im Wirtschaftsausschuss verlief aufgrund der Einladungspraxis einseitig. Stellungnahme von WEED: “Bundesregierung verpasst Chance”. weiterlesen

Klima-Flüchtlingselend: Wir haben jahrzehntelang weggeschaut

Als hätten wir es nicht gewusst
Blutzoll der fossilen Energieträger
Jede Sekunde flieht ein Mensch vor Klimafolgen

– von Gerhard Hofmann –

Nachdem die Fotografin Nilüfer Demir am 2. September 2015 die Leiche des dreijährigen Aylan Kurdi am Strand von Bodrum entdeckt hatte, sagte sie später, „gefror mir das Blut in den Adern. Das Einzige, was ich tun konnte, war, seinem Schrei – dem Schrei seines am Boden liegenden Körpers – Gehör zu verschaffen. Ich dachte, das könnte ich nur schaffen, indem ich den Abzug betätigte.” Jedes Weltereignis produziert Symbolfotos, wie etwa der Anschlag auf das World Trade Center oder der Vietnamkrieg: Der vietnamesisch-amerikanische Fotograf Nick Ut bekam den Pulitzer-Preis und den World Press Award für sein Foto „The Terror of War“ der neunjährigen Phan Kim Phuc, die 1972 schwer verbrannt, nackt und schreiend vor einem US-Napalm-Angriff floh – das Bild trug mehr zum Ende des Krieges bei als manche Politiker-Rede.

Das Foto des kleinen Aylan machte die Flüchtlingskrise auf brutale Weise sichtbar – und das Versagen Europas. Aylans Schicksal erinnerte daran, dass Millionen von Kindern auf der Flucht sind: Laut UNICEF ist von 60 Millionen Flüchtlingen weltweit jeder zweite unter 18 – auch von den vier Millionen syrischen Flüchtlingen. Viele wollen nach Europa – wir aber verschanzen uns hinter meterhohem Stacheldraht, damit das Elend der Welt draußen vor bleibt. Wenige reiche Länder schließen die Augen davor, dass die Menschen vor Krieg und Elend fliehen. Und dann sortieren wir zynischerweise noch zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen. Dabei müsste es für uns doch völlig gleichgültig sein, ob ein Mensch vor dem Tod durch Verhungern oder eine Fassbombe flieht.

Wir wussten es seit Jahrzehnten – seitdem 1970 die sogenannte Weltgemeinschaft beschloss, die Entwicklungshilfe sollte 0,7 Prozent vom Bruttosozialprodukt eines Landes betragen – Deutschland lag 2014 mit schäbigen 0,41 auf Platz 12 in der EU. Wir wussten es spätestens seit dem 19. Mai 1990.

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“Industrie 4.0″ – viele Prognosen, viel Spielraum

Aktuelle Böckler-Expertise gibt Überblick

Neue Technologien werden die industrielle Produktion grundlegend verändern. Welche Rolle spielen dabei die Arbeitnehmer? Wo liegen Chancen und Risiken? Ein von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Forschungsprojekt an der Technischen Universität Dortmund untersucht die aktuellen Prognosen zur “Industrie 4.0“.*) Die Analyse zeigt: Die Bandbreite der Erwartungen ist noch sehr breit, der Wandel damit keineswegs vorgegeben, sondern gestaltbar. Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt beschäftigt sich auch die von der Hans-Böckler-Stiftung initiierte Kommission “Arbeit der Zukunft”. Die 34 Expertinnen und Experten beschreiben verschiedene Aspekte der Digitalisierung (z.B. “Plattformisierung”, “mobiles Arbeiten”, Wandel von Berufsbildern) und erarbeiten Handlungsoptionen für Politik, Gewerkschaften und Unternehmen. **)

Von der Dampfmaschine zur Industrie 4.0: Die industrielle Produktion hat sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten radikal gewandelt. Der Grad der Komplexität ist gestiegen – mit neuen Herausforderungen für die Beschäftigten.

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Divestment – Warnung vor fossilen Investments

Es “kracht zweifellos auch in Deutschland” ( auf green.wiwo.de)

Sony Kapoor hatte Glück: der heute 41jährige stieg 2004 als Investment-Banker bei Lehman-Brothers aus – drei Jahre vor dem großen Crash, der die Weltfinanzkrise auslöste. Heute ist der Leiter des Think-Tanks “Re-Define“ international bekannter Kritiker des Finanzsystems. Green-Wiwo hat Kapoor zum Interview getroffen und mit ihm über gefährliche Investments und passive Anleger gesprochen.

Heute berät Kapoor Regierungen, Zentralbanken, die Europäische Union oder Großinvestoren. Er glaubt zwar nicht, dass die Zwei-Grad-Grenze mit den jetzigen politischen Maßnahmen einzuhalten ist, “aber die Staaten verpflichten sich nach und nach und definitiv, ihre CO2-Emissionen zu verringern. Allein dadurch werden Öl- und Kohlekonzerne Verluste erleiden. Derzeit kann aber niemand genau sagen, wie streng die Klimaschutzgesetze tatsächlich werden. Das Risiko ist aber real. Das können Investoren nicht mehr lange ignorieren.” weiterlesen

Gemeingüter schützen!

Gerhard Scherhorn: Wachstum oder Nachhaltigkeit

Scherhorn-Wachstum-oder-Nachhaltigkeit-TitelDas zentrale Menschheitsproblem neben dem Klimawandel und der Armut ist der Substanzverzehr, der Verbrauch der Gemeingüter, seine Ursachen die Fixierung auf Wirtschaftswachstum und kurzfristiges Denken. Die großen Krisen der Gegenwart, wie Lehman Brothers, Massenflucht, Klimakatatsophe sind Bankrotterklärungen der Kurzfristigkeit. Die Lösung liegt im Ende der Wachstumspolitik, in einer Politik der Nachhaltigen Entwicklung. Diese lässt die nachhaltige Produktion in den Grenzen des Substanzerhalts wachsen und die nicht nachhaltige schrumpfen. Sie wird erst gelingen, wenn langfristiges Denken das kurzfristige abgelöst hat, wenn nicht immer noch mehr Wachstum, sondern Nachhaltigkeit das Ziel der Wirtschaftspolitik ist. Das erfordert eine neue Verantwortlichkeit für die Gemeingüter. Und es ist durchsetzbar, wenn die im Grundgesetz festgelegte Sozialbindung des Eigentums auf das Kapitaleigentum ausgedehnt wird.

gerhard scherhorn - Foto © altius verlag Der Sozialökonom und Konsumtheoretiker Gerhard Scherhorn, emeritierter Professor an der Universität Hohenheim, “besticht in seinem vom Altius Verlag herausgebenen Band ‘Wachstum oder Nachhaltigkeit’ mit messerscharfen Analysen vom sozialen Wesen Mensch und seinen (wirklichen) Bedürfnissen, vom Wachstumsparadigma, das von Politik, Wirtschaft und schließlich auch vom Konsumenten gepredigt und durchgesetzt wird und von der Ausbeutung (oder Kultivierung) der Gemeingüter. Hervorzuheben sind die zahlreichen Problemanalysen, die Scherhorn dann zu fs-entwurf54Lösungsansätzen führt”. (Stephan Bohle auf futurestrategy.de/wachstum-oder-nachhaltigkeit)

 

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