Ethisch-ökologische Geldanlagen brauchen Regeln

vzbv-Tagung: Anlegerschutz auch für nachhaltige Geldanlagen

Geld rettet die Welt -  Tagungs-LogoDas Verbraucherinteresse an ethischen und ökologischen Geldanlagen steigt. Das Angebot ist vielfältig und die Versprechungen der Anbieter verheißungsvoll. Doch wie können sich Verbraucher auf dem unübersichtlichen Markt orientieren? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig?
Bild: © Verbraucherzentrale Bremen
In Berlin beschäftigte sich am 27.02.2015 eine Tagung unter dem Titel “Geld rettet die Welt?” der Verbraucherzentrale Bremen und des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) mit dem Thema.

Ethisch-ökologische Geldanlagen können einen Beitrag für eine nachhaltigere Gesellschaft leisten. Bislang ist der Markt jedoch unübersichtlich. Begriffe wie ethisch, ökologisch oder nachhaltig sind bei Geldanlagen nicht geschützt. Die Auslegung bleibt den Anbietern überlassen. Verbraucher können kaum beurteilen, ob Produktnamen und Werbeaussagen das halten, was sie versprechen. Es gibt zahlreiche schwarze Schafe, die Greenwashing, also Grünfärberei, betreiben. Vom “grünen” Schein sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher nicht blenden lassen und keine finanziellen Risiken eingehen, die sie nicht tragen können.

Der vzbv und die Verbraucherzentralen fordern daher Regeln für eine gute Orientierung und einen effektiven Anlegerschutz. “Der Gesetzgeber muss verbindliche Mindeststandards für ethisch-ökologische Geldanlagen festlegen. Nur wer diese erfüllt, sollte Finanzprodukte entsprechend bewerben dürfen”, fordert Ulrike Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen. Eine verlässliche Orientierungshilfe für Anleger sei längst überfällig, damit bei ethisch-ökologischen Geldanlagen die Spreu vom Weizen getrennt werden kann, so Brendel.

Blog-EÖR meint: Ein Blick in den Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden würde weiterhelfen!

Vorsicht bei Ausnahmen im Kleinanlegerschutzgesetz

Im Rahmen der Tagung “Geld rettet die Welt?” wurde mit Vertretern von Verbänden und Politik auch das von der Bundesregierung vorgelegte Kleinanlegerschutzgesetz diskutiert. Der Entwurf sieht zum Beispiel für sozial ausgerichtete Unternehmungen eine Reihe von Ausnahmen für die Regulierung von Vermögensanlagen vor. Ihnen soll ein erleichterter Zugang zu Kleinanlegergeldern gewährt werden.

Der vzbv sieht den Bedarf für solche Erleichterungen, mahnt aber an, nur moderate Ausnahmen zu definieren, etwa bei der Prospektpflicht. “Ausnahmen von Informationspflichten lassen sich nur rechtfertigen, wenn das einzelwirtschaftliche Verlustpotential auch von Verbrauchern, die ihr Geld nachhaltig anlegen wollen, begrenzt ist”, so Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen beim vzbv. “Zielt ein Emittent auf die Einwerbung größerer Beträge ab, so ist die Prospekterstellung und damit die Information der Anleger umso wichtiger und auch vertretbar.”

Die Tagung fand im Rahmen des Projektes “Klimafreundliche Geldanlage” statt, das unter Federführung der Verbraucherzentrale Bremen in Zusammenarbeit mit mehreren Verbraucherzentralen durchgeführt wird. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.

Ethisch-ökologisch bedeutet nicht klimafreundlich

Nicht nur die Fahrt mit dem Auto oder das Heizen mit Öl beeinflussen das Klima. Auch Finanzprodukte wie Investmentfonds hinterlassen einen sogenannten Klima-Fußabdruck. Und der ist bei sogenannten ethisch-ökologischen Fonds nicht unbedingt kleiner als bei konventionellen.

Wer sein Geld in sogenannte ethisch-ökologische Fonds investiert, will damit oft auch dem Klima etwas Gutes tun. Doch das ist nicht immer der Fall. Abhängig davon, in welche Unternehmen und Branchen ein Fonds investiert, finanziert er den Ausstoß von Treibhausgasen. Eine Untersuchung im Auftrag der Verbraucherzentrale Bremen hat ergeben, dass vier ethisch-ökologisch orientierte Fonds eine schlechtere Klimabilanz aufweisen als manch gängiger konventioneller Fonds. Verbraucher, die mit ihrer Geldanlage das Klima schützen wollen, können also nicht automatisch auf Fonds aus dem ethisch-ökologischen Segment setzen.

Die untersuchten Investmentfonds unterscheiden sich enorm in der Menge an finanzierten Treibhausgasen; entsprechend viel CO2 können also auch Anleger einsparen. So finanziert der Fonds mit dem größten Klima-Fußabdruck rund 5,5 Mal mehr klimaschädliche Gase als der mit dem kleinsten CO2-Ausstoß: Wer 1.000 Euro in den Fonds DWS Top Dividende investiert, finanziert damit den Ausstoß von rund 904 Kilogramm CO2. Beim Triodos Sustainable Equity sind es hingegen nur 163 Kilogramm. Die Differenz entspricht etwa dem Ausstoß an Treibhausgasen, der bei einer Autofahrt über 4.600 Kilometer entsteht – also beispielsweise einer Fahrt vom Nordkap bis nach Neapel.

Für die Untersuchung hat die Verbraucherzentrale Bremen 13 Aktienfonds ausgewählt. Darunter sind vier Fonds der großen deutschen Anbieter Allianz, Deka, DWS und Union Investment. Die übrigen neun sind sogenannte ethisch-ökologische oder auch nachhaltig genannte Aktienfonds.

Die Analyse basiert auf dem Standard des Greenhouse Gas Protocol und berücksichtigt alle Bereiche, in denen ein Unternehmen Treibhausgase verursacht. Dieser Ansatz berücksichtigt sämtliche Bereiche, in denen ein Unternehmen Treibhausgase verursacht. So werden beispielsweise bei der Erstellung einer “ehrlichen” Klimabilanz für eine Bank ebenfalls die Klimaauswirkungen der vergebenen Kredite berücksichtigt und in der Klimabilanz eines Autoherstellers wird auch der Treibhausgasausstoß berücksichtigt, der während der Lebensdauer der produzierten Autos sowie bei deren Entsorgung entsteht.

South Pole Group logotDurchgeführt hat die Untersuchung das Schweizer Unternehmen South Pole Group (Präsentation s.u.). Die Analyse ist Teil des Projektes “Klimafreundliche Geldanlage” der Verbraucherzentralen Bremen, Hamburg, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein.