Alle Beiträge von Gerhard Hofmann

Basel III erfreut Banken

DGB-Klartext zur Finanzmarktregulierung

Nach sieben Jahren haben sich Europas höchste Bankenregulierer endlich auf eine neue Haltelinie für das Schönrechnen von Bankenrisiken geeinigt. Das Ergebnis wurde jedoch von der Bankenlobby weichgespült. Damit ist wieder wertvolle Zeit für die Umsetzung von dringend notwendigen Finanzmarktregeln verstrichen, schreibt der DGB-klartext.

Frankfurter Bankenviertel über Hauptbahnhof - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft 20150809_150645Es ist geschafft! Nach mehr als 7 Jahren mühseligem Hin und Her konnten sich die höchsten Bankenregulierer jüngst auf den Abschluss der sogenannten Basel III-Regeln verständigen. Besonders Deutschland hat die Verhandlungen des Basler Ausschusses über neue Regeln auf dem Bankenmarkt behindert. Wertvolle Zeit für die dringend notwendige Umsetzung neuer Finanzmarktregeln ist dadurch verloren gegangen. Zwar gibt es nun neue Kapitalregeln für Banken und eine Haltelinie für das Schönrechnen der Bankenrisiken, aber das Ergebnis konnte durch Lobbyarbeit aus Sicht der Bankenbranche erfolgreich weichgespült werden.

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Wie kann es sein, dass acht Menschen so viel besitzen wie 3,6 Milliarden andere?

Ein Blick auf die sogenannten “Ultra-high-net-worth individuals” und die Rolle der Vermögensberater

Die Farbe des Geldes - Triodos BankWarum Vermögen in unserer Welt so extrem ungleich verteilt ist und was Wealth Manager damit zu haben. Der Kopenhagener Professorin Brooke Harrington ist es durch einen Trick gelungen, in die Welt der Superreichen zu blicken. Anfang 2017 sorgte eine Studie der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam für viel Furore. Demnach besaßen zu diesem Zeitpunkt die reichsten acht Menschen der Welt zusammen mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Großbank UBS zufolge hat sich die Zahl der Milliardäre 2017 um zehn Prozent auf 1542 weltweit erhöht – eine Medienmitteilung der Triodos-Bank.

Acht Menschen besitzen so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, sprich wie 3,6 Milliarden Menschen. Wie konnte es so weit kommen? Wie kann es sein, dass Vermögen dermaßen ungleich verteilt ist? Um zu verstehen, wie diese extreme Ungleichheit zustande kommen konnte, muss man auf den exklusiven und kleinen Club der Superreichen blicken. Es ist eine Gruppe von Menschen, die Wealth Manager oder Privatbanker als „Ultra-high-net-worth individuals“ bezeichnen. Einen Blick die Welt der Superreichen zu erhaschen, ist extrem schwierig. Denn kaum ein anderer gesellschaftlicher Bereich schottet sich in dem Maße ab, wie es ultravermögende Menschen tun. Exklusivität und Diskretion ist in diesen Kreisen oberste Pflicht.

Brooke Harrington bringt Licht ins Dunkel

Brooke Harrington, einer in Harvard ausgebildeten Soziologin, die inzwischen an der Copenhagen Business School lehrt, ist es gelungen, Licht in das Dunkel dieser Welt zu werfen und eine Erklärung für die extreme Verteilung des Reichtums zu finden.

Mit den Superreichen kam sie selbst nicht ins Gespräch, dafür aber mit deren Vermögensverwaltern. Harrington ließ sich selbst mehrere Jahre zur Wealth Managerin ausbilden und kam auf exklusiven Seminaren mit Menschen zusammen, die in Schlüsselpositionen für die vermögendsten Menschen der Welt arbeiten. Über 60 Vermögensverwalter aus unterschiedlichen Ländern wie der Schweiz, Liechtenstein oder Singapur traf Harrington in rund zehn Jahren Ausbildung und konnte sie zu Gesprächen bewegen. Herausgekommen ist das Buch „ Capital without Borders: Wealth Managers and the one percent“, das bislang nur auf Englisch erschienen ist. Ende September stellte Harrington es bei einem Vortrag in Frankfurt vor.

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COP23 wirkt indirekt

Emissionsarmes Investment auf dem Vormarsch

“Großanleger sind klimastrategisch meist schwach aufgestellt. Der Bonner Gipfel ignorierte das. Aber Initiativen rufen dazu auf, mehr in emissionsarme Branchen und Geschäftsfelder zu investieren”, schreibt Susanne Bergius in Handelsblatt Nachhaltige Investments. Die Klimaschutzanstrengungen müssten verstärkt werden. So hätten institutionelle Investoren die 23. Runde der UN-Klimaschutzverhandlungen (COP 23) in der zweiten Novemberhälfte in Bonn kommentiert.

Manche Vermögensverwalter hätten die Gelegenheit genutzt, um konkrete Forderungen zu stellen und ihre Expertise in Sachen klimaverträglicher Investments zu positionieren. Andere hätten Klimainvestments an oder Tests neuer Umweltkennziffern gekündigt oder luden Abendessen mit Gleichgesinnten eingeladen. Mindestens zwei zu diesem Anlass veröffentlichte Studien hätten ergeben, dass Investoren mehr in den Klimaschutz investieren wollen. Das sei auch dringend nötig so Susanne Bergius, – “um eines der zentralen Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen zu realisieren: die Kapitalflüsse so auszurichten, dass sie eine zumindest „2-Grad-kompatible“, besser noch eine 1,5-Grad-kompatible Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichen. Will heißen: Finanzakteure nehmen eine Schlüsselrolle ein, um die Erderwärmung auf möglichst unter 2 Grad Celsius zu begrenzen.” – Weiter auf: handelsblatt.com/hb-business-briefing-investments – Inhalt:

  • Die Weltklimakonferenz wirkt indirekt
  • Vermögensverwalter positionieren sich
  • Gütesiegel – nicht nur für Investmentfonds
  • Interview Fiona Reynolds: „Es muss Einiges passieren“

->Quelle: handelsblatt.com/hb-business-briefing-investment

Wem gehört der Himmel

Atmosphäre zu gemeinsamem Eigentumssystem werden

Die Erklärung der Menschenrechte ist zu wenig: George Adamson formulierte einst: „Darüber, wer die Welt erschaffen hat, lässt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird.“ Übersetzt ins Heute heißt das: Um die Katastrophe noch abwenden zu können, ist ein radikales Umdenken erforderlich. Insbesondere gilt es, eine revolutionäre Erkenntnis zu erlangen: Die Nutzung aller begrenzten Ressourcen wie Atmosphäre, Meere oder Böden muss völkerrechtlich verbindlich geregelt werden. Denn noch heute kann sie jeder eigenmächtig als Deponieraum nutzen. Ein Kommentar von Matthias Hüttmann. weiterlesen

Stummer Frühling – stummer Sommer

Kommentar von Franz Alt

Am Hauptbahnhof in Osnabrück lese ich auf einem Plakat des Deutschen Bauernverbandes: „Ohne uns werden Sie nicht satt. Ein Landwirt ernährt 145 Menschen pro Jahr. Darauf sind wir stolz. Wir machen Landwirtschaft echt grün. Eure Landwirte – gestern. heute. morgen. Immer.“

Landwirtschaft echt grün, wirklich? Und was ist mit Glyphosat?

Singende Vögel – zirpende Grillen – farbenprächtige Schmetterlinge? Das war einmal. Ganz Deutschland leidet unter Artensterben. Die Natur braucht 30.000 Jahre um eine neue Spezies zu schaffen, aber wir rotten pro Tag global 150 Tier- und Pflanzenarten aus.

In Deutschland ist inzwischen jede dritte Tier-, Pflanzen-und Pilzart vom Aussterben bedroht. Dabei wissen wir: Ohne Tiere und ohne Pflanzen keine Menschen. Wir alle stehen auf den Schultern unserer älteren Geschwister im Tier- und Pflanzenreich. Mit dem dramatischen Artensterben sind wir die erste Generation, die Gott voll ins Handwerk pfuscht. weiterlesen

15.000 Wissenschaftler sprechen eindringliche “Warnung an die Menschheit” aus

Mit ihrer Hiobsbotschaft wollen Forscher aus der ganzen Welt die Menschheit wachrütteln – und bieten konkrete Lösungen an, um die katastrophalsten Folgen abzuwenden.

Mehr als 15.000 Wissenschaftler aus 184 Ländern sind sich einig: Wenn wir nichts gegen Klimawandel, Waldabholzung, mangelnde Frischwasserversorgung und das rasante Bevölkerungswachstum unternehmen, setzen wir die Zukunft der Menschheit aufs Spiel.Gemeinsam unterzeichneten die Forscher, zu denen renommierte Wissenschaftler wie Jane Goodall, E. O. Wilson und James Hansen gehören, einen Besorgnis erregenden Appell mit dem Titel “World Scientists’ Warning to Humanity: A Second Notice“, der am 13.11.2017 im Wissenschaftsjournal BioScience veröffentlicht wurde.

Mit insgesamt 15.373 Unterschriften von Forschern aus den unterschiedlichsten Disziplinen dürfte es sich um den Artikel mit dem größten wissenschaftlichen Rückhalt in der Geschichte handeln. Schon einmal hatten Wissenschaftler gemeinsam eine ähnliche Warnung verkündet: 1992 veröffentlichten 1.700 Wissenschaftler, darunter viele heutige Nobelpreisträger, den offenen Brief “World Scientists’ Warning to Humanity“.

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Nachhaltigkeit: Lediglich vier von 13 Zielen erreicht

IMK-Check: Deutschland erreicht nur knapp ein Drittel der Nachhaltigkeits- und Wohlfahrts-Ziele

IMK logo Die Nachhaltigkeit in Deutschland hat in den vergangenen Jahren nur geringe Fortschritte gemacht. In den Bereichen wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit sowie bei Staatsfinanzen und Staatstätigkeit wurden nach einer am 28.11.2017 in Berlin präsentierten neuen Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung insgesamt lediglich vier von 13 Zielen erreicht.IMK-Report NachhaltigkeitDabei zeigen sich erhebliche Unterschiede: Während bei den Staatsfinanzen zwei von drei zentralen Anforderungen umgesetzt sind, bleiben die wichtigsten Kennwerte auf den anderen Feldern meist deutlich hinter den Zielen zurück. Das gilt sowohl für die letzte Legislaturperiode als auch für den gesamten Zeitraum zwischen 2008 und 2016, so die Untersuchung, die heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wird.*

“Der simple Blick aufs Wirtschaftswachstum reicht nicht, wenn wir beurteilen wollen, ob der Wohlstand in unserem Land nachhaltig wächst. Darin sind sich viele Ökonomen und Wirtschaftspolitiker mittlerweile einig”, NRW-Ex-Finanzminister Norbert Walter-Borjans, Gustav A. Horn - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarifysagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. “Unsere Untersuchung macht aber deutlich, dass in der praktischen Wirtschaftspolitik nach wie vor viel zu wenig getan wird, um Wohlstand in einem breiteren Sinn zu schaffen. Trotz einiger Anstrengungen und mutiger Reformen wie der Einführung des Mindestlohns hat auch die scheidende Bundesregierung noch erhebliche Lücken gelassen.” Wenn die nächste Bundesregierung die Nachhaltigkeit in Deutschland verbessern wolle, “muss sie besonders bei der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit ansetzen”, ergänzt Studienautor Dr. Fabian Lindner. “Diese Ziele müssen durch eine verbindliche Handhabung mit den fiskalischen Zielen auf Augenhöhe gebracht werden. So lassen sich auch unvermeidliche Zielkonflikte konstruktiver auflösen als bisher.”    weiterlesen

25 Jahre UnternehmensGrün – Wirtschaftswende erst am Anfang

Energiewende, Agrarwende, Verkehrswende – seit 25 Jahren ist UnternehmensGrün e.V. die politische Stimme für eine nachhaltige Wirtschaft in Deutschland. „Bio“ ist heute keine Nische mehr und Nachhaltigkeit Mainstream. Eine echte ökologisch-soziale Wirtschaftswende ist aber noch nicht in Sicht.

Rundes Jubiläum für UnternehmensGrün e.V., den Bundesverband der grünen Wirtschaft

„Klimaschutz, Biodiversität und Ressourcenknappheit – wir stehen heute vor großen und globalen ökologischen Herausforderungen“, erklärte Prof. Dr. Klaus Töpfer anlässlich der Jubiläumsfeier am 23.11.2017 in Berlin. „Gerade der Mittelstand war schon immer ein Motor für ökonomische und ökologische Innovationen. Diesen Unternehmen gibt UnternehmensGrün eine politische Stimme“, so Töpfer.

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Weg „subversiver Integration“

Johannes Hoffmanns Einführung in die Jubiläumstagung der Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating (FG EÖR) an der Goethe-Universität in Frankfurt am 3. und 4. November 2017 in Bad Boll

1. Dank an alle, welche die Erkenntnisse der FG EÖR über die Jahre erarbeitet haben

Johannes Hoffmann - Foto © privat, FGEÖRDie FG EÖR wird seit nunmehr 25 Jahren durch das gemeinsame Interesse an nachhaltiger Entwicklung im Rahmen der Marktwirtschaft motiviert. Unser Beitrag ist getragen von dem Bemühen, verborgene Sachverhalte offenzulegen, Ungesehenes sichtbar zu machen, aus überholten Traditionen herauszulocken, Mut für neue Wege zu machen, effektive Altruisten zu begleiten und zu fördern, einen Weg „subversiver Integration“¹ zu gehen, damit Menschwerdung in Gemeinschaft im Mit-Sein mit der Schöpfung gelingen kann.

Nach über 25 Jahren wissenschaftlicher Arbeit der FG EÖR zur Entwicklung von ökologischer, sozialer, ökonomischer und interkultureller Nachhaltigkeit in der Marktwirtschaft ist es durchaus sinnvoll, einmal an die Anfänge zu erinnern und einen Blick auf die gegenwärtig laufende Arbeit zu werfen, um daraus Überlegungen für die zukünftige Forschungs- und Bewusstseinsbildungsarbeit zu gewinnen. Das ist die Intention dieser Fachtagung.

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„Indien verzeichnet wirtschaftliches Wachstum, allerdings ohne Armutsminderung“

Der indische Befreiungstheologe Felix Wilfred im Interview mit Misereor

Misereor - LogoMit dem Welttag der Armen will Papst Franziskus „die Gläubigen anspornen, damit sie der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine wahre Kultur der Begegnung entgegenstellen“. Die beiden Hilfswerke Adveniat und MISEREOR haben auf den verschiedenen Kontinenten Menschen interviewt, die sich mit ihrem Leben für die Armen einsetzen. Im folgenden Gespräch äußert sich der indische Befreiungstheologe Felix Wilfred zur Situation in Indien.

Verglichen mit anderen Nationen ist die Armutsquote in Indien besonders hoch. Warum führen die Bemühungen Indiens, diese Situation zu ändern, nicht zum Erfolg?

Felix Wilfred - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify 20171103Felix Wilfred: Das liegt daran, dass Indien noch mehr als andere Nationen ein falsches Entwicklungsmodell verfolgt. Daher verzeichnet das Land zwar Wachstum (Indien ist heute, trotz gelegentlicher Rückschläge, die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft weltweit), jedoch ohne Armutsminderung. Das gegenwärtig weltweit vorherrschende Entwicklungsmodell führt zu falschen Prioritäten. Der Hochgeschwindigkeitszug „Bullet Train“ wird zur Priorität ernannt – ein Prestigeprojekt –, während 190 Millionen Menschen in Indien Tag für Tag hungern und 97 Millionen Kinder aufgrund von Mangelernährung untergewichtig sind. Ein zweiter Grund ist, dass dieses Entwicklungsmodell in einem Land umgesetzt wird, das nicht über die richtigen Voraussetzungen verfügt. Bevor China unter sozialistischem Regime den Weg zu einer liberalen Wirtschaft einschlug, nahm man eine Landverteilung vor, sorgte für ein einigermaßen funktionierendes öffentliches Gesundheitswesen usw. Indien sprang auf den Zug der Globalisierung und der freien Wirtschaft auf, ohne vorher diese Voraussetzungen zu schaffen. Daher bleiben beim vorherrschenden Entwicklungsmodell, dem Indien folgt, Millionen von Armen auf der Strecke, während man darüber nachdenkt, wie man das Bruttoinlandsprodukt steigern und mit anderen Nationen in der Entwicklung konkurrieren kann. Der Leitspruch des Wirtschaftsliberalismus, dem Indien folgt, lautet: Wer nicht konkurriert, stirbt. In Indien sterben aber Menschen, weil fehlgeleitete Politiker und Planer konkurrieren wollen; und in diesem Prozess werden in einem in der indischen Geschichte ungekannten Ausmaß die ohnehin Wohlhabenden immer noch reicher.

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