Beiträge der Kategorie: Finanzpolitik

1. Sustainable Finance Gipfel Deutschland

Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor

H4SF - logoDer Sustainable Finance Gipfel Deutschland unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums der Finanzen am 23.10.2017 im DVFA Center in Frankfurt am Main war die erste öffentliche Veranstaltung des gerade gegründeten “Hub for Sustainable Finance” (H4SF). Im H4SF koordinieren die Deutsche Börse und der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor unter Einbeziehung weiterer nationaler und internationaler Akteure und Inititativen und entwickeln sie für Deutschland weiter (siehe auch: blog.ethisch-oekologisches-rating.org/nachhaltige-finanzwirtschaft-in-deutschland-vorantreiben). Sustainable Finance will die Stabilität von Finanzmärkten sicherstellen, indem Anlage- und Kreditmanagement die Betrachtung langfristiger Risiken, und die Einbeziehung wertschöpfender, intangibler und ESG-Treiber zur Grundlage der Investitions- und Anlagepolitik macht.

Plenum des 1. Sustainable Finance Gipfel Deutschland - Foto © dvfa.jalbum.net

Der Sustainable Finance Gipfel Deutschland brachte relevante Stakeholdergruppen im deutschen Markt zusammen, deren Beteiligung für eine erfolgreiche Umsetzung der Ziele von Sustainable Finance im deutschen Markt unerlässlich ist. Hier wurden zentrale Thesen für eine Agenda nachhaltiger Finanzwirtschaft in Deutschland diskutiert, die sich aus dem Interimsbericht der High-Level Expert Group on Sustainable Finance der EU (HLEG), einem Diskussionspapier des RNE zur nachhaltigen Finanzwirtschaft, sowie der PRI Roadmap für Deutschland speisen. Diese Empfehlungen galt es nun in einem breiten Dialog, der alle wichtigen Stakeholdergruppen in Deutschland anspricht, zu diskutieren. Wir erörterten gemeinsam, welche Weichen in Deutschland im Finanzsystem sowie in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gestellt werden müssen, um den politisch von einem breiten Konsens getragenen Forderungen nach einem nachhaltigen Finanzsystem gerecht zu werden.

Weitere Themenblöcke und Fragestellungen des Gipfels:

  • Treuhänderische Verantwortung, Wissen und Bewusstsein – was fehlt?
  • Banken, Credit Rating Agencies und Investment Consultants – welche Rolle spielen sie für eine nachhaltige Finanzwirtschaft?
  • Transparenz, Reporting, Disclosure – mehr als nur Reporting Standards für Unternehmen?
  • Produkte, Standards, Methoden – wie kann Systematik helfen?
  • Infrastrukturprojekte und Klimaziele – wie lässt sich die Finanzierungslücke schließen?
  • Verstärkungseffekte staatlicher Aktivitäten in der Privatwirtschaft
  • Wie kann ein nachhaltiges Finanzsystem in Deutschland Realität werden?

Vom Gipfel: Neue Diskussionsbeiträge für eine nachhaltige Finanzwirtschaft

Medienmitteilung des Nachhaltigkeitsrats: Der Hub for Sustainable Finance hat seine erste öffentliche Tagung absolviert. Vertreterinnen und Vertreter der Finanzwirtschaft, von Aufsichtsbehörden und Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik haben darüber diskutiert, wie das Finanzsystem nachhaltiger werden kann. Im Vorfeld der Tagung haben die für den Hub for Sustainable Finance verantwortlichen Organisationen in zehn Thesen umrissen, worum es inhaltlich gehen soll. Das hat die Diskussion konzentriert. Die rund 200 Teilnehmenden haben in sechs Diskussionsrunden Ideen und Vorschläge erarbeitet, die Praxis und die Qualität der nachhaltigen Finanzindustrie voranbringen können. Über die Dringlichkeit des Themas waren sich alle einig.

„Sie, wie Sie hier sitzen, wissen, wo die Hindernisse für Sustainable Finance liegen, wo die Grenzen Ihrer Geschäftsmodelle sind und auch, was Sie daran hindert, Ihre Aktivitäten zu skalieren“, sagte Marlehn Thieme, Vorsitzende des RNE, zu Beginn des Gipfels. „Setzen Sie sich gemeinsam mit uns jetzt entschieden für einen Umbau der Finanzsysteme ein!“, appellierte Thieme. Nachfolgend eine Auswahl der zentralen Diskussionsbeiträge – und wie es weiter geht mit dem Hub.

Idee 1: Einen Green Supporting Factor in der Finanzmarktaufsicht einführen

Die Idee hat im Jahr 2016 der französische Bankenverband formuliert, um leichter Kapital für die weltweite Energiewende zu mobilisieren. Der Green Supporting Factor ließe sich aber auch auf beliebige andere nachhaltige Projekte ausweiten. Um Faktoren für Risiken und Chancen griffig zu beurteilen, plädierte Klaus Tiedeken, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln, für die Anwendung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex, die weit mehr als nur für die öffentliche Berichterstattung nützt.

Gerald Podobnik, Global Head of Capital Solutions der Deutschen Bank, machte die französische Idee konkret: Die Bankenregulierung schreibt vor, dass Banken für die Risiken verschiedener Geldanlagen sicheres Kapital vorhalten müssen, um einen Ausfall der Anlage abzusichern. Das gilt auch, wenn Banken beispielsweise in Solarparks oder Windräder investieren. Der Green Supporting Factor würde vorsehen, dass Banken für Investitionen in die Energiewende weniger Sicherheiten vorhalten müssen – weil sie einen Beitrag dazu leisten, die Risiken des Klimawandels zu minimieren und damit auch das Finanzsystem stabilisieren. Einführen müsste einen solchen Faktor die Finanzmarktaufsicht, die über die Kapitalanforderungen bei verschiedenen Investitionen entscheidet.

Idee 2: Bilanzierungsregeln ändern

Christian Thimann, Vorsitzender der High Level Expert Group on Sustainabel Finance der EU-Kommission und Vorstandmitglied beim Versicherungskonzern Axa, schlug vor, Bilanzierungsregeln zugunsten nachhaltiger Investments zu verändern. „Die Finanzregulierung der letzten Jahre war sehr auf kurzfristige Stabilisierung ausgelegt“, sagte Thimann. Dominant ist derzeit bei der Bilanzierung eines Unternehmens das Prinzip market to market. Das bedeutet, dass der Wert von Investitionen an einem bestimmten Stichtag ermittelt wird und so in die Bilanz kommt.

Das aber widerspricht oft der Idee, dass nachhaltige Investitionen lange Zeithorizonte haben, bis sie sich rechnen. Andere Bilanzierungsregeln könnten also diese langfristigen Potentiale nachhaltiger Geldanlagen höher gewichten, die so als positiver Faktor in die Bilanz einfließen. „Wie können wir es Akteuren gestatten, mehr langfristige Kredite zu vergeben? Wie können wir ihnen die Pflicht auferlegen, in einer vernünftigen Proportionalität langfristige Risiken zu kontrollieren?“, so fasste Thimann die Herausforderung zusammen.

Idee 3: Aufsichtsräte müssen für Nachhaltigkeit qualifiziert sein

Patricia Geibel-Conrad, Mitglied des Aufsichtsrats der Hochtief AG, forderte, bei der Qualifikation von Aufsichtsräten anzusetzen. Diese müssten sensibel etwa für das Thema Klimawandel sein und Grundkenntnisse zur nachhaltigen Entwicklung haben. Solche Mindestanforderung werden im anglo-amerikanischen Raum längst debattiert, ebenso bezüglich Diversity. Solche Anforderungsprofile für Aufsichtsräte und Vorstände würden unter anderem auf dem nächsten World Economic Forum im Januar 2018 in Davos besprochen, so Geibel-Conrad. In den USA läuft die Diskussion unter dem Stichwort proxy access. Durch die Regel haben auch kleinere Anteilseigner an Konzernen die Möglichkeit, Kandidaten für Vorstandsposten zu nominieren – und so etwa das Thema Klimawandel zu stärken.

Idee 4: Nachhaltigkeitsbericht und Konzernlagebericht integrieren

Das Thema Integrated Reporting, also integrierte Berichterstattung von Geschäftsbericht und Nachhaltigkeitsbericht eines Unternehmens, wurde immer wieder diskutiert. Heute werden beide Berichte oft getrennt veröffentlicht. Das bringt laut Dieter W. Horst, Experte für Sustainable Finance bei Pricewaterhouse Coopers, bei vielen Unternehmen oft mit sich, dass die wirklich wichtigen Systeme und Prozesse noch nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.

Bei 80 Prozent der Unternehmen arbeiteten im Finanz- und Rechnungswesen, wo die wichtigen Finanzkennziffern erstellt werden, ein paar dutzend oder gar hundert Personen. Die Nachhaltigkeitsabteilung bestünde dagegen manchmal aus nur einer oder wenigen Personen. Auch Kristina Jeromin, Head of Group Sustainability der Deutsche Börse AG, sieht die Fokussierung auf das Wesentliche und die integrierte Sichtweise in der Berichterstattung als eine Lösung dieses Problems.

Idee 5: EU-weite CSR-Berichtspflicht evaluieren

Welche Kennzahlen aus einem Nachhaltigkeitsbericht sind so wichtig, dass ein Aktionär sagen würde: Wir kaufen eine Aktie oder wir kaufen sie nicht? Diese Frage stellte Ralf Frank, Generalsekretär und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management. Hintergrund ist, dass große Unternehmen in der EU seit dem Geschäftsjahr 2017 verpflichtet sind, Nachhaltigkeitsberichte, kurz CSR-Berichte, vorzulegen. „Die spannende Frage wird sein, welche Kennzahlen sind denn wirklich so wichtig, dass sie Gewicht für den Lagebericht haben, also wichtig sind für das Verständnis des Geschäftsverlaufs“, sagte Frank.

Dieter W. Horst, Pricewaterhouse Coopers, glaubt, die CSR-Berichtspflicht könnte unter Umständen auch zeigen, dass es keine Nachhaltigkeitskennzahlen gibt, die so wichtig sind, dass sie in den Lagebericht müssen – dann hätte die neue Berichtspflicht ihr Ziel komplett verfehlt. Mehrere Redner regten deshalb an, die CSR-Berichtspflicht im nächsten Jahr zu evaluieren. Sollten die ihr zur Folge ermittelten Kennzahlen für die Geschäfts- und Lageberichte der Unternehmen keine Relevanz haben, müsste die Richtlinie überarbeitet werden.

Idee 6: Klimarisiken könnten für die Bankenaufsicht relevant werden

Die Bundesbank denkt darüber nach, Klimarisiken für die Finanzwirtschaft in ihrer Bankaufsicht zu berücksichtigen. Das sagte Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Es gehe dabei um zwei Punkte: Erstens könnten Hurrikane und Stürme unmittelbar Einfluss auf die Finanzen von Banken und Versicherern haben. Würden Wetterextreme schlimmer, dann stiegen die Risiken, die nicht mehr versicherbar seien.

Hinzu kommen laut Wuermeling transitorische Risiken auf dem Weg zu einer emissionsarmen Wirtschaft: Viele fossile Rohstoffe, die heute als Werte in Unternehmensbilanzen stehen, dürfen wegen der Klimaziele nicht mehr verbraucht werden. „Eines ist klar, je früher wir aktiv werden, desto geringer der Handlungsdruck zu einem späteren Zeitpunkt“, sagte Wuermeling. Deshalb baue die Bundesbank ihre Analysemöglichkeiten aus, um Klimarisiken und deren Auswirkungen für die Finanzmarktinstitute besser verstehen zu können. Gegebenenfalls werde man Klimarisiken auch bei der Bankenaufsicht berücksichtigen.

Idee 7: Die Praktikerinnen und Praktiker müssen mitreden

Anja Mikus, CEO/CIO der Stiftung Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung forderte, diejenigen besser in die Diskussion um eine nachhaltige Finanzwirtschaft mit einzubeziehen, die täglich Investmententscheidungen treffen. Das Problem sei, dass nicht einheitlich definiert sei, was genau Nachhaltigkeit im Investmentprozess bedeute. „Wie geht ein Portfoliomanager damit um? Wie kommt Nachhaltigkeit in den Investmentprozess rein?“, fragte sie. Das ließe sich nur beantworten, wenn Portfoliomanager mit am Tisch säßen. So ließe sich auch die Skepsis bei vielen Managern abbauen, ob nachhaltige Kapitalanlagen eine ausgiebige Rendite brächten. Das zeigen zwar Studien, „doch Studien helfen nicht, weil die Praxis entscheidet“, sagte Mikus.

Idee 8: Big Data kann helfen, aber das „kann“ muss qualifiziert werden

Big Data, künstliche Intelligenz und lernende Maschinen werden die Finanzindustrie zum Guten verändern und auch beim Thema Nachhaltigkeit helfen. Die These vertritt Konrad Sippel, Head of Content Lab der Deutschen Börse. „Wenn es um Informationsverfügbarkeit geht und darum, diese quantitativ auszuwerten und zu erklären, warum Nachhaltigkeit Sinn macht, werden uns mehr Daten und bessere Analysen helfen“, sagte er. Diskutanten regten an, dass mehr Daten nicht unbedingt auch bessere Daten seien. Es käme immer auf den Zweck und die Qualität der Daten an.

Die Zukunft des Hub for Sustainable Finance

Die erste Zukunftsaufgabe des H4SF ist das Aufholen. Denn die Finanzwirtschaft und Investoren in Deutschland hinken im europäischen und wohl auch globalen Vergleich hinterher. Weil in Deutschland kein starker Staat einfach gesetzliche Pflichten oder Vorgaben erlässt, greifen die Initiatoren zur Selbsthilfe. Im H4SF wollen sie künftig dem Thema hierzulande eine stärkere Stimme geben. Der große Zuspruch zur Veranstaltung selbst und die hohe Diskussionsbereitschaft der Teilnehmenden wurde von den Initiatoren als Bestätigung gewertet, die Initiative für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft weiter voranzutreiben.

Das Anliegen des H4SF soll baldmöglichst mit der Bundesregierung und dem Parlament erörtert werden. Wie Günther Bachmann, Generalsekretär des Nachhaltigkeitsrates, im Schlusspanel in diesem Zusammenhang deutlich machte, wird die Bedeutung des Ergebnisses der europäischen Diskussionen für Deutschland zu erörtern sein. Weitere fachliche Diskussionsveranstaltungen werden für 2018 geplant.

Indem die Pioniere des nachhaltigen Finanzwesens weiter ermuntert und gestärkt werden, soll nunmehr auch der Mainstream für das nachhaltige Finanzieren gewonnen werden. In Zukunft sollten die professionellen Investoren nicht nur auf der Basis von Finanzkennziffern entscheiden, sondern die Nachhaltigkeit zur Grundlage einer Risiko- und Chancenbewertung machen und in ihre Anlageentscheidung einbeziehen, so Günther Bachmann. Analoges sei dann auch im staatlichen Handeln zu berücksichtigen.

Der Steuerungskreis und der Rat für Nachhaltige Entwicklung haben in der Veranstaltung viele Denkanstöße bekommen, die in die Ausgestaltung des Hubs einfließen werden. Ein Mitschnitt des Gipfels, der alle Programmteile uneingeschränkt abdeckt, steht für sechs Monate auf www.h4sf.de zur Verfügung. Updates und konkrete nächste Schritte werden über die Projektwebseite und den Newsletter des Nachhaltigkeitsrates kommuniziert.

->Quellen:

Publikationen:

Organisatoren:

  • HLEG der Europäischen Kommission, vertreten durch Michael Schmidt, Deka Investment
  • Deutsche Börse AG
  • DVFA e.V. – Der Berufsverband der Investment Professionals (Organisationsleitung)
  • Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.
  • Principles for Responsible Investment (PRI), German section
  • Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE)

Partner:

  • BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V.
  • Deutscher Investor Relations Verband e.V. (DIRK)
  • Deutsches Aktieninstitut e.V.
  • KfW Bankengruppe
  • Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten e.V. (VfU)

Sprecher

  • Tarek Al-Wazir, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
  • Dr. Ludger Schuknecht, Bundesministerium der Finanzen
  • Prof. Dr. Rolf Nonnenmacher, Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex
  • Christian Thimann, AXA Group und Chair High-Level Expert Group on Sustainable Finance
  • Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung
  • Prof. Joachim Wuermeling, Deutsche Bundesbank
  • Anja Mikus, Stiftung “Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung”
  • Dr. Frank Czichowski, KfW Bankengruppe

Weitere Sprecher (Auszug):

  • Prof. Dr. Günther Bachmann, Rat für Nachhaltige Entwicklung
  • Dr. Julia Backmann, BVI
  • Dr. Ernst Thomas Emde, Freshfields Bruckhaus Deringer LLP
  • Christoph Flad, Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
  • Ralf Frank, DVFA
  • Patricia Geibel-Conrad, AR, Hochtief
  • Dr. Wilfried Hauck, Statera Financial Management
  • Dr. Andreas Hoepner, University College Dublin
  • Dieter W. Horst, PricewaterhouseCoopers
  • Kristina Jeromin, Deutsche Börse
  • Holger Kerzel, MEAG
  • Roland Kölsch, FNG-Siegel
  • Matthias Kopp, WWF & 2° Investing Initiative
  • Thomas Kusterer, EnBW
  • Dr. Velibor Marjanovic, KfW Bankengruppe
  • Tobias Mock, S&P Global Ratings
  • Dustin Neuneyer, PRI
  • Dr. Annabel Oelmann, Verbraucherzentrale Bremen
  • Dieter Overath, Transfair
  • Nilgün Parker, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
  • Sabine Pex, oekom research AG, Vorstand FNG
  • Dr. Gerald Podobnik, Deutsche Bank
  • Dr. Henrik Pontzen, HSBC Trinkaus & Burkhardt, Vorstandsmitglied DVFA und Mitglied des Ethikpanels DVFA
  • Claudio Ramsperger, DZ BANK & Cassa Centrale Banca – Credito Cooperativo del Nord Est S.p.A.
  • Michael Schmidt, CFA, Deka Investment GmbH, Mitglied HLEG, Vorstandsmitglied DVFA
  • Roman Schmidt, Commerzbank
  • Konrad Sippel, Deutsche Börse
  • Matthias Stapelfeldt, Union Investment, Vorstand FNG
  • Dr. Markus Steilemann, Covestro
  • Dr. Klaus Tiedeken, Kreissparkasse Köln
  • Hubertus Väth, Frankfurt Main Finance e.V.
  • Dr. Ursula Weidenfeld, Freie Journalistin, Dr. Weidenfeld & Heckel
  • Stefan Winter, Verband der Auslandsbanken
  • Marc Wolbeck, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
  • Natalia Wolfstetter, Director of Research, Morningstar

Nachhaltige Finanzwirtschaft in Deutschland vorantreiben

Zehn Thesen des H4SF

H4SF - logoDer Steuerungskreis des Hub for Sustainable Finance (H4SF) hat in Berlin zehn Thesen für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft vorgestellt. Die Empfehlungen richten sich an die Finanzmarktakteure – und an die Politik.

Grundlage für das Papier sind der Interimsbericht der High Level Expert Group on Sustainable Finance der EU-Kommission , die PRI Roadmap für Deutschland , das living document Sustainable Finance des Rates für Nachhaltige Entwicklung , das der Rat seit März fortschreibt, die Zielsetzung der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse  und die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures des Finanzstabilitätsrates.

Als erste öffentliche Veranstaltung findet am 23. Oktober in Frankfurt ein „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ des Hub for Sustainable Finance im Hause der DVFA, Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management, statt (Tagesordnung). Hier werden die zentralen Thesen (hier auch auf Englisch) des Hub for Sustainable Finance für eine nachhaltige Finanzwirtschaft in Deutschland diskutiert.

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Joint Statement by Scientists Calling for an Ecological Sustainable and Participative Economy

- issued in advance of the G-20-Summit on 7/8 July 2017 in Hamburg, Germany -

“It would be a bad thing for science if later generations were not permitted to add new insights on the knowledge of their predecessors.”
(Georgius Agricola, De Re Metallica, 1548)

 “How fleeting are the wishes and efforts of man! how short his time! and consequently how poor his products be, compared with those accumulated by nature during whole geological periods. Can we wonder, then, that nature’s productions should be far ‘truer’ in character than man’s productions; that they should be infinitely better adapted to the most complex conditions of life?”
(Charles Darwin, The Origin of Species By Means of Natural Selection, 1859)

Today, climate change, extinction of species and environmental destruction are the gravest existential challenges threatening the lives of all human beings irrespectively of their different cultural and political conditions.

In view of this, we call on the business, scientific and political communities to switch to an ecologically sustainable and participative economy in order to reduce the threat to nature and mankind and to develop a new modern style of economics.

(Deutsche Version) weiterlesen

Achim Steiner, RNE, fordert “Green Finance Hub für Deutschland”

“Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen”

Man habe zwar endlich die seit Jahrzehnten geforderten 0,7 % Anteil am BIP für die Entwicklungshilfe erreicht (wenn auch verursacht durch die Unterstützung der vielen Geflüchteten), aber Deutschland müsse “endlich vom Projekt zur Struktur kommen, vom Versprechen zum Beweis, dass man es auch kann,” forderte die Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), Marlehn Thieme anlässlich der 17. Jahrestagung des Rates für Nachhaltige Entwicklung in Berlin. Gleichzeitig stellte der designierte UNDP- und Ex-UNEP-Chef Achim Steiner das Projekt eines “Hub for Sustainable Financing” in Deutschland vor. weiterlesen

Schweiz: Grundeinkommen durch Mikrosteuer finanzieren

“Grundeinkommen wäre in der Schweiz umsetzbar”

Schweizer Handelszeitung - LogoEine Initiative will ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz einführen – mit einer Monatszahlung an jeden Bürger von rund 2.500 Franken. Gute Idee oder Schwachsinn? Alle Hintergründe hat die Handelszeitung, u.a. in einem Interview von Caroline Freigang mit dem Zürcher Finanzprofessor Marc Chesney. Er will dafür stimmen, denn er hält die Idee für realisierbar – unter einer Bedingung.

Chesney  befürchtet, dass die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung Millionen Arbeitsplätze weltweit gefährden. Normalerweise sollte es Freizeit erzeugen, wenn die Produktivität steige, argumentiert er. Heute jedoch führe das aber “weltweit entweder zu Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung – vor allem weil das Wirtschaftswachstum im Verhältnis zur Steigerung der Produktivität oft nicht ausreichend ist” –  ernennt das “das Paradoxon einer immer produktiveren Gesellschaft, die zur selben Zeit Armut erzeugt”. Eine zivilisierte und demokratische Gesellschaft müsse aber Lösungen für dieses Problem finden – sonst sei sie in Gefahr. weiterlesen

Trump vs. USA: Der Kampf hat begonnen

von Sergey Lagodinsky – Heinrich-Böll-Stiftung

Anti-Trump-Demo  - Foto © Doug Turetsky, CC BY-NC-ND“No Ban, No Wall”-Schild auf einer Demonstration gegen das Einreiseverbot für viele Muslime in New York City am 29. Januar 2017. Foto ©  doug turetskyCC - BY-NC-NDDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Vorerst haben Gerichte Donald Trumps Einreiseverbot für viele Muslime gestoppt. Doch der Kampf zwischen “den Präsidialen” und den demokratischen Institutionen hat gerade erst begonnen.

Der Zweikampf zwischen „den Präsidialen“ und „den Institutionen“ ist eröffnet

Die Entscheidungen der Bundesrichter [inklusive der Zurückweisung des präsidialen Eilantragfs auf Aufhebung derselben, EÖR] haben der Umsetzung des Anti-Migrations-Dekrets des neuen US-Präsidenten Trump einen Riegel vorgeschoben. Damit läuten sie den Beginn der eigentlichen Ära Trump ein. Denn die entscheidende und spannungsgeladene Ungewissheit der Amtsperiode Donald Trump besteht nicht darin, welche Unwahrheiten Trump in seinen Interviews von sich geben wird.

Sie liegt in einer anderen Schlüsselfrage: Wer wird stärker und schneller sein – das Präsidententeam oder die demokratischen Institutionen der USA? Werden der neue Präsident und sein Team es schaffen, die demokratischen Institutionen der amerikanischen Gesellschaft schneller auszuhebeln, als diese den neuen Präsidenten einhegen können? Die kommenden vier Jahre werden sich zum Zweikampf zwischen „den Präsidialen“ und „den Institutionen“ entwickeln.

Wenige Minuten nach Trumps Amtsantritt – das Foto auf der Website des Weißen Hauses zeigt ihn im Wahlkampf (!) – wurden alle klimwandel-relevanten Inhalte von whitehouse.gov gelöscht.
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Umdenken in Finanzbranche nur weiterer logischer Schritt auf Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank, über Bewertungsmaßstäbe und Siegel

14.09.2016 aus der Themenreihe Grüne FINANZEN von UMWELTHAUPTSTADT.deumwelthauptstadt logo

UMWELTHAUPTSTADT.de: Was glauben Sie, welche Motivation steht bei grünen Investments bei der Mehrheit der Anleger im Vordergrund, Ethik & Moral oder eine ordentliche Rendite?

Norbert Wolf - Foto © Steyler BankNORBERT WOLF: Ich denke, am Ende ist es immer ein Mix verschiedener Motivationen. Eine ordentliche Rendite ist natürlich im Interesse jedes Anlegers. Aber nachhaltige Investoren folgen eben auch ethischen Überzeugungen. Sie wollen beiden Ansprüchen gerecht werden und liegen genau richtig damit: Denn moralisches Handeln und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich nicht aus. Das ist meine feste Überzeugung.Die Steyler Ethik Bank legt Kundengelder daher nach drei Prinzipien an. Wir wählen Anlagen aus, die einen positiven Beitrag zum Erhalt des Friedens, zu sozialer Gerechtigkeit und zum Schutz der Umwelt leisten. Wir beschränken uns also nicht auf den Bereich „grüne Investments“. Denn unsere Kunden möchten Natur und Klima schützen, kommen aber auch zu uns, um sich sozial zu engagieren. Dazu muss man wissen, dass die Gewinne der Steyler Ethik Bank in soziale Hilfsprojekte rund um den Globus fließen. Viele unsere Kunden fördern diesen Einsatz durch freiwillige Spenden oder auch durch die Gründung von Stiftungen.

Können Sie einschätzen, wie hoch der Anteil nachhaltiger Investments in Deutschland ist und welche Wachstumsraten wir in diesem Bereich erfahren?

In Deutschland haben nachhaltige Investments aktuell einen Anteil von 2,7 Prozent. Eine gute Informationsquelle ist der Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Noch ist der Anteil also klein, aber er wächst schnell. In Deutschland wurden Ende 2015 nachhaltige Geldanlagen mit einem Gesamtwert von 136,6 Milliarden Euro verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Wachstum von sieben Prozent. weiterlesen

IWF: Deutsche Bank größte Bedrohung für globales Finanzsystem

Die Deutsche Bank ist die wohl riskanteste Bank der Welt, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) – HSBC und Credit Suisse dahinter

deutsche bank logoDie Deutsche Bank ist nach Einschätzung des IWF das weltweit gefährlichste Geldinstitut, IWF logoberichten zahlreiche Medien (s.u.). “Unter den global tätigen Banken mit systemischer Bedeutung (G-SIBs) scheint die Deutsche Bank am stärksten zu systemischen Risiken beizutragen”, schätzt der IWF im Rahmen seines Programms zu Bewertung des Finanzsektors (FSAP). Gefolgt werde die Bank von der britischen HSBC und der schweizerischen Credit Suisse. weiterlesen

Böckler-Stiftung zur Ungleichheit

„FAQs Ungleichheit“ und jährlicher Verteilungsbericht

Hans-Böckler-Stiftung HBS - logoÖffnet sich die soziale Schere in Deutschland oder nicht? Das ist auch unter Fachleuten nicht unumstritten. Wo gibt es überhaupt aussagekräftige Zahlen zur Ungleichheit, wo fehlen sie und warum? Was kann man auf der Basis der vorliegenden Daten über die Entwicklung von Ungleichheit sagen? Stärkt oder schwächt Ungleichheit das Wirtschaftswachstum? Wohin geht der Trend angesichts von Flüchtlingszuwanderung auf der einen und Mindestlohn auf der anderen Seite? Und was sollten Politik und Wirtschaft tun? Die häufigsten Fragen rund um Einkommen, Vermögen, Armut und Reichtum beantworten die „FAQs Ungleichheit“, ein neues Angebot der Hans-Böckler-Stiftung. http://boeckler.de/wsi_66092.htm

Wirkungen des wirtschaftlichen Aufschwungs ungleich verteilt

WSI der Hans-Böckler-Stiftung - logoEine ausführlichere Analyse liefert der jährliche Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die aktuelle Ausgabe vom Jahresende 2015 zeigt folgende Trends: Die Wirkungen des wirtschaftlichen Aufschwungs seit der Finanzmarktkrise sind ungleich verteilt und haben die wirtschaftliche Polarisierung der 2000er Jahre längst noch nicht ausgeglichen. Das ist besonders problematisch, weil die Aufstiegschancen ärmerer Haushalte über die vergangenen drei Jahrzehnte gesunken sind, für die Mittelschicht ist das Risiko gewachsen, finanziell abzusteigen. Zentrale Kennzahlen zeigen: Die Spreizung der Einkommen hat nach den neuesten vorliegenden Daten nach einem leichten Rückgang während der Finanzmarktkrise sogar wieder zugenommen und liegt nahe beim bisher gemessenen Höchstwert.

->Quellen:

 

Handlungsbedarf: SDG Index & Dashboards

Ein globaler Bericht des Sustainable Development Solutions Network (SDSN) und der Bertelsmann Stiftung

SDSN logoDas globale Sustainable Development Solutions Network (SDSN) und die Bertelsmann Stiftung, Mitgliedsorganisation von SDSN Germany, haben am 20.07.2016 eine Studie mit dem Titel „SDG Index & Dashboards“ vorgelegt. Die Länderrankings wie auch die Dashboards in Ampelfarben – rot, gelb, grün – zeigen anhand von Kernindikatoren erstmals, in welchem Umfang die im September 2015 von den Staats- und Regierungschefs der Welt beschlossenen 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung (Sustainable Development Goals; SDGs) in 149 Ländern, reicheren wie ärmeren, derzeit erreicht werden und wo die größten Handlungsbedarfe bestehen. weiterlesen