Beiträge der Kategorie: Finanzpolitik

EuGH verurteilt EIB wg. verweigerter Umweltprüfung

Europäische Investitionsbank unterliegt in bahnbrechendem Fall zu „grüner“ Überprüfung

In einem bahnbrechenden Urteil hat der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) entschieden, dass die Europäische Investitionsbank (EIB) die Umweltprüfung ihrer Finanzierungsentscheidungen rechtswidrig umgangen hat, so Kira Taylor am 27.01.2021 auf Euractiv. Das Urteil des EuGH vom 27.01.2021 folge auf eine Klage von ClientEarth gegen die EU-Bank, nachdem diese den Antrag der NGO auf eine interne Überprüfung eines 60-Millionen-Euro-Kredits abgelehnt habe.

Die Anwälte sagten, dass die Gewährung des Darlehens für den Bau eines Biomasse-Kraftwerks der rumänischen Firma Losán in Spanien (Curtis, Galizien) gegen die Finanzierungskriterien der EIB für verantwortungsvolle Investitionen in erneuerbare Energien verstoßen, und es Fehler bei der Beurteilung der Eignung des Projekts für eine Finanzierung gegeben habe. Die EIB behauptete, der Antrag sei unzulässig gewesen und lehnte die Forderung von ClientEarth ab – ein Recht, das nach internationalem und EU-Recht durch die Aarhus-Konvention garantiert wird. weiterlesen

Europas Banken haben in Sachen Nachhaltigkeit noch einen weiten Weg vor sich

Blackrock-Untersuchung: „Sektor bleibt hinter den Erwartungen von Regulierungsbehörden und Stakeholdern zurück“.

„Nachhaltigkeit hat sich etabliert“, schreibt der Finanzgigant Blackrock auf seiner Internetseite: BlackRock habe „weltweit Kunden befragt, die ein verwaltetes Vermögen von 25 Bio. USD repräsentieren. Wir wollten ihre Gründe für Umschichtungen in nachhaltige Anlagen verstehen und wie sich die Pandemie darauf auswirken könnte. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die grundlegende Kapitalverschiebung zugunsten nachhaltiger Anlageprodukte nimmt Fahrt auf.“ weiterlesen

Europa kann bei nachhaltigen Finanzen nur führen, wenn es der Wissenschaft folgt

Die EU-Steuergesetzgebung unter Nachhaltigkeitskriterien

Von Sandrine Dixson-Declève & Johan Rockström

Im kommenden Jahr wird die EU-Kommission weitere EU-Taxonomiekriterien entwickeln – für im Zusammenhang mit den vier Umweltzielen „Kreislaufwirtschaft, Schutz der Wasser- und Meeresressourcen, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung sowie Schutz der Biodiversität und der Ökosysteme“. Entscheidend dabei wird sein, dass auch diese der Wissenschaft folgen. Geschehe das nicht, schaffe das einen gefährlichen Präzedenzfall für sämtliche künftigen Umweltziele und nachhaltigen Finanzen, schreiben Sandrine Dixson-Declѐve (Co-Präsidentin, Club of Rome) und Johan Rockström (Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung).

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„Der allmächtige Versicherungsstaat kann allen Geld schaffen“

Zweifelhafter Nutzen des Gelddruckens

„Der Staat hat als mächtiger Allversicherer das Kommando über die Wirtschaft übernommen. Das nötige Geld lässt er sich durch seine Zentralbank drucken. Der Nutzen für die Bürger ist allerdings zweifelhaft“, schreibt der Ökonom Thomas Mayer am 24.12.2020 in der Tageszeitung „Die Welt„.

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EU-Klima-Taxonomie als weltweit erstes System zur einheitlichen Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten

EU stärkt mit „Klima-Taxonomie“ Transparenz für nachhaltige Investitionen

Die EU-Kommission schafft mit der Klima-Taxonomie weltweit ein erstes System zur einheitlichen Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten. Grüne Investitionen sollen dadurch Schub erhalten. DIW-WissenschaftlerInnen begrüßten am 16.12.2020 die Taxonomie als Instrument für mehr Transparenz – Schwellenwerte stehen aber nicht immer in Einklang mit Ziel der Klimaneutralität.

Die EU will nachhaltige Investitionen stärken und entwickelt dafür erstmals einheitliche Kriterien für klimaverträgliche Wirtschaftsaktivitäten, die sogenannte EU-Taxonomie. Mit deren Hilfe sollen Investitionen in „grüne“ Projekte gelenkt werden, um so die Europäische Union ihrem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 näher zu bringen. ÖkonomInnen am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) haben die Taxonomie unter die Lupe genommen. Sie gehen von einer guten Wirksamkeit aus.  Allerdings sehen sie in einigen Punkten auch Nachbesserungsbedarf: Nicht in allen Wirtschaftszweigen, wie etwa der CO2-intensiven Industrie, sind die derzeit diskutierten Kriterien ausreichend. Als wichtige Stellschraube sehen die ExpertInnen Franziska Schütze, Jan Stede, Marc Blauert und Katharina Erdmann in der Taxonomie festgeschriebene sektorspezifische Schwellenwerte für Emissionen, die bislang noch nicht vollumfänglich mit Klimaneutralität vereinbar sind. weiterlesen

Kapital Ethik Nachhaltigkeit: Welche Kompetenzen braucht die Praxis?

DNWE-Jahrestagung 2018 – Frankfurt am Main

Mit dem Fokus auf „Kapital“ griff die DNWE-Jahrestagung 2018 am Finanzplatz Frankfurt eine klassische wirtschaftsethische Perspektive auf, die wieder an Relevanz gewinnt: Vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise und den Herausforderungen einer auch global ökologisch und sozial nachhaltigen Entwicklung werden derzeit die Rollen der Finanzdienstleister, die Funktion des Kapitalmarkts wie auch die Aufgaben der Geldpolitik und der Regulierung der Finanzmärkte neu diskutiert. Unter Stichworten wie „Transformation der Finanzmärkte“, „Sustainable Finance“, „Green Finance“ wurden im Jahr 2017 etliche Initiativen ins Leben gerufen, existierende erfahren neuen Auftrieb.

Aber wer definiert, was „grün“, „sozial“, „gut“ oder „nachhaltig“ ist? Und um welche Kompetenzen und Verantwortlichkeiten geht es dabei? Wer ist eigentlich für was verantwortlich und kompetent? Wer beobachtet eigentlich was? Und wer beurteilt wen? Was kann und soll reguliert werden und welche Funktion hat der Wettbewerb von Unternehmen und Finanzdienstleistern um Kunden? Die DNWE-Jahrestagung 2018 brachte Experten für Wirtschaftsethik, Finanzmärkte und Nachhaltigkeit aus Theorie und Praxis zusammen, um diese Fragen anhand wesentlicher Handlungsfelder zu diskutieren und Beiträge zur „Sustainable und Green Finance“ Agenda zu entwickeln.

Ökonomisch gesehen dient der Kapitalmarkt der effizienten Allokation von Kapital. Und auf Dauer funktioniert dieser Markt nur, wenn Zinsen gezahlt und die Renditeerwartungen erfüllt werden. Dazu ist in der Summe wirtschaftliches Wachstum und ein Wachstum der Geldmenge erforderlich. Soweit die rein ökonomische Perspektive, aus der sich die Rollen der Finanzdienstleister und die Aufgaben der Regulierung wie auch der Geldpolitik ableiten. Diese ökonomische Perspektive lässt durchaus noch viel Spielraum für verschiedene Sichtweisen und entsprechenden gesellschaftlichen und theoretischen Streit. Umso mehr gilt dies jedoch, wenn nun weitere (ökologische und soziale wie auch weitere ethische) Perspektiven und Kriterien hinzugezogen werden, die sich (zunächst) nicht aus der ökonomischen Logik ableiten lassen.

Die Bewältigung der Herausforderungen (Wirtschafts- und Finanzkrise sowie Nachhaltige Entwicklung) erfordert dementsprechend aus Sicht der Praxis wie der Theorie ein neues gemeinsames Reflektieren der bestehenden, ökonomisch begründeten (Zurechnung und Verteilung von) Kompetenzen und Verantwortung.

Dieses Reflektieren von Kompetenzen und Verantwortung, wie es von er DNWE-Jahrestagung 2018 angestrebt wird, unterstützt den Diskurs über Handlung/Verhalten (oder auch Fehlverhalten) und Regulierung (Marktversagen, öffentliche Güter, externe Effekte etc.). Und dieses Reflektieren von Kompetenzen und Verantwortung ist eine typische wirtschaftsethische Aufgabenstellung im Zusammenspiel mit weiteren ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Perspektiven. Die Tagung begann mit drei Workshops

Workshop A: Welches Kompetenzleitbild wollen Studierende mit Blick auf
„Kapital, Ethik und Nachhaltigkeit“ erwerben?

Moderation:
Katharina Knoll, Zentrum für Industrie und Nachhaltigkeit (ZIN)/Provadis Hochschule,
Vorstand DNWE e. V.
Rebecca Rühle, Vorstand sneep e. V.

Beiträge:
Andreas Jaumann und David Hemmerle, Plurale Ökonomik e. V.
Felix Struckmann, Fabian Klein-Arndt und Georg Weithauer, oikos Witten/Herdecke e. V.
Natalia Benke und Robin Liebholz, sneep e. V.

Workshop B: Inwiefern sind Alphabet und Facebook verantwortliche, nachhaltige oder im ethischen Sinne gute Unternehmen?

Moderation
Prof. Dr. Joachim Fetzer, Hochschule für angewandte Wissenschaften,
FH Würzburg-Schweinfurt, Vorstand DNWE e. V.

Beiträge
Frieder Olfe, imug rating
Julia Wißmeyer, ISS oekom research AG
Prof. em. Dr. Johannes Hoffmann, Goethe-Universität Frankfurt

Workshop C: Welche Rolle spielen und welchen Beitrag leisten „advocacy“-Organisationen für „Sustainable Finance“?

Moderation
Prof. Dr. Georg Lämmlin, Evangelische Akademie Bad Boll

Beiträge
Katrin Ganswindt, urgewald e. V.
Dr. Klaus Schilder, Misereor
Thomas Graf, GLS Bank, Leiter Sustainability Research

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Workshop B: Inwiefern sind Alphabet und Facebook verantwortliche,
nachhaltige oder im ethischen Sinne gute Unternehmen?

Moderation
Prof. Dr. Joachim Fetzer, Hochschule für angewandte Wissenschaften,
FH Würzburg-Schweinfurt, Vorstand DNWE e. V.

Beiträge
Frieder Olfe, imug rating
Julia Wißmeyer, ISS oekom research AG
Prof. em. Dr. Johannes Hoffmann, Goethe-Universität Frankfurt

Fetzer: Alphabet (früher Google) und Facebook, die weltgrößten und finanzstärksten Unternehmen der Welt, können einfach nach dem Gemeinwohlatlas (nach vier Kernfragen) bewertet werden.

Johannes Hoffmann, neben Gerhard Scherhorn, Initiator der FG EÖR und Koautor des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens, begann historisch: Älteste Tradition liegt in England Eiris (heute video-eiris), London Peter Webster in den 70er Jahren entstanden; erstes Rating in Bezug auf Kosemtika entstandenm aus Prozess eine Millione bekomemn – Startkapital, später Zusammenschlüsse. Letzter Zusammenschluss war dieses Jahr zwischen ISS und oekom research. Dann stellte er zwei Fragen:
1. wie sieht es mit der Prözision der Kriterien der Beurteilung von Unternehmen aus (Ratingtradition: am Ende werden relative Urteile hergestellt, Investoren können es sich praktisch heraussuchen, Ratings, die differenziert sind, viel externe Informationen verarbeiten, große Leistung, welche Einfluss haben sie wirklich, weil eben nur relativ?) In der aktuellen Situation komme wir damit nicht mehr weiter (entwertet nicht die bisherigen Leistungen). was ist weiter zu überlegen? Welches Nachhaltigkeitsverständnis steht dahinter? Das harte Nachhaltigkeitsverständnis wie es die FGEÖR propagiert: Substanzerhalt. Die globalen Nachhaltikeitskriterien gehen in Richtung starker N. Gegen Externalisierun g auf Ökologisch, ökonomisch-Sozial und kultuirelle Gemeingüter. Bisher wercden Externalisierungen zwar festgestellt, aber nicht monetarisiert. Zu fragen ist: Welche Kosten wercden durch E eingespart; was müssten Unternehmen zahlen. Beispiel Trucost/London hat zB Puma und den Otto-Versand untersucht. N>ach diesem Vorbild müssten Nachhaltikeitsagenuren sioch bewegen.
2. Hinweis auf Jaron Lanier: Bummer… mietbare Verhaltenweisen und Motivationen von Users. Krise – früher gab es eine Art Garantie für die Demokratie, heute entfremdet etwas die jungen Leute von der D. – Internet hat zur Armutsbekämpfung beigetragen – soziale Netzwerke haben zur …beigetragen. Das Ende: Autoritäre Herrschaftsverhältnisse. Beispiel China, Freiheitsverlust. Daher aussteigen! An starker Nachhaltigkeit messen!
Viele gescheitert – Problem Gesetzgebung – Beispiel Henry Ford: Wollte Arbeitern so viel Lohn geben, dass sie seine Autos kaufen können, wurde ihm gerichtlich verboten, shareholder value-Mehrung geht vor. Gilt bis heute.

Julia Wißmeyer, ISS oekom research AG
präsentierte zunächst oekom mit seit 25 Jahren ESG-Research mit inzwischen 80 Analytsn, unabhängig. Best-in-Class-Ansatz, Branchenzuordnung, Primedchwellen; branchenübergreifend( Corporate Rating) abgefragt, aber 50% branchenspezifische Indikatoren, bspw. Datensicherheit…
alphabet hat -9 Ratinglevel, weil beim Datenschutz (und der Personalbehandlung) unterdurchschnittlich; gut dagegen bei Energieeffizienz und EE. Milliarden-Strafe der EU für Google wertet Rating ab.
Unterschiedliche Kriterien, willkürlich definiert, allerdings für alle gleich gültig.
Was, wenn Facebook demokratieszerstörend wirkt – welches Kriterium hat oekkom dafür? Wichtig ist der Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse und Veränderungen.

Frieder Olfe, imug rating
imug ist Konkurrent von oekom; N-Ratings für alle Assetklassen; Ausschlusskriterien von Mitarbeiterrechten und Menschenrechten bis Kernenergie, Alkohol und Waffen – darunetr fallen FB und G zunächst kaum. Imug orientiert sich an weltweiten Standards, 250 Handlungsgrundsätze aus sechs Domains, die in 38 Oberkriterien zerfallen.

Facebook und Google plus bei Energie, aber beim Datenschutz (Menschenrechtsverletzungen) negativ.

Cambridge Analitics – Unfall oder mehr? Abstrafung bei Human Rights – Google hat in 45 Ländern Gerichtsverfahren; wie gehen die damit um?

Wenn Unternehmen sich zu Anschuldigungen nicht äußern, wird das hervorgehoben. Mangelnde Transparenz muss wichtiges Kriterium sein.

Beispiel Trump-Wahl und C-Analytica und Rohinya… (Lanier)

Ratings bilden nicht die Wirklichkeit ab. Sie wirken aber Vorbild-schaffend. Emittenden bezahlten früher oft für die Ratings. Heute zahlen Investoren, die ihr Geld nachhaltig anlegen wollen. Nachhaltigkeitsagenturen haben eine relative Unabhängigkeit, problematisch wird es bei Beratung nach dem Rating. Z.B. IMUFg und VW.

Leider gibt es keine gesetzliche Regelung der Nachhaltigkeit, so ein Diskussionsbeitrag.