Beiträge der Kategorie: Ethik

1. Sustainable Finance Gipfel Deutschland

Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor

H4SF - logoDer Sustainable Finance Gipfel Deutschland unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums der Finanzen am 23.10.2017 im DVFA Center in Frankfurt am Main war die erste öffentliche Veranstaltung des gerade gegründeten “Hub for Sustainable Finance” (H4SF). Im H4SF koordinieren die Deutsche Börse und der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor unter Einbeziehung weiterer nationaler und internationaler Akteure und Inititativen und entwickeln sie für Deutschland weiter (siehe auch: blog.ethisch-oekologisches-rating.org/nachhaltige-finanzwirtschaft-in-deutschland-vorantreiben). Sustainable Finance will die Stabilität von Finanzmärkten sicherstellen, indem Anlage- und Kreditmanagement die Betrachtung langfristiger Risiken, und die Einbeziehung wertschöpfender, intangibler und ESG-Treiber zur Grundlage der Investitions- und Anlagepolitik macht.

Plenum des 1. Sustainable Finance Gipfel Deutschland - Foto © dvfa.jalbum.net

Der Sustainable Finance Gipfel Deutschland brachte relevante Stakeholdergruppen im deutschen Markt zusammen, deren Beteiligung für eine erfolgreiche Umsetzung der Ziele von Sustainable Finance im deutschen Markt unerlässlich ist. Hier wurden zentrale Thesen für eine Agenda nachhaltiger Finanzwirtschaft in Deutschland diskutiert, die sich aus dem Interimsbericht der High-Level Expert Group on Sustainable Finance der EU (HLEG), einem Diskussionspapier des RNE zur nachhaltigen Finanzwirtschaft, sowie der PRI Roadmap für Deutschland speisen. Diese Empfehlungen galt es nun in einem breiten Dialog, der alle wichtigen Stakeholdergruppen in Deutschland anspricht, zu diskutieren. Wir erörterten gemeinsam, welche Weichen in Deutschland im Finanzsystem sowie in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gestellt werden müssen, um den politisch von einem breiten Konsens getragenen Forderungen nach einem nachhaltigen Finanzsystem gerecht zu werden.

Weitere Themenblöcke und Fragestellungen des Gipfels:

  • Treuhänderische Verantwortung, Wissen und Bewusstsein – was fehlt?
  • Banken, Credit Rating Agencies und Investment Consultants – welche Rolle spielen sie für eine nachhaltige Finanzwirtschaft?
  • Transparenz, Reporting, Disclosure – mehr als nur Reporting Standards für Unternehmen?
  • Produkte, Standards, Methoden – wie kann Systematik helfen?
  • Infrastrukturprojekte und Klimaziele – wie lässt sich die Finanzierungslücke schließen?
  • Verstärkungseffekte staatlicher Aktivitäten in der Privatwirtschaft
  • Wie kann ein nachhaltiges Finanzsystem in Deutschland Realität werden?

Vom Gipfel: Neue Diskussionsbeiträge für eine nachhaltige Finanzwirtschaft

Medienmitteilung des Nachhaltigkeitsrats: Der Hub for Sustainable Finance hat seine erste öffentliche Tagung absolviert. Vertreterinnen und Vertreter der Finanzwirtschaft, von Aufsichtsbehörden und Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik haben darüber diskutiert, wie das Finanzsystem nachhaltiger werden kann. Im Vorfeld der Tagung haben die für den Hub for Sustainable Finance verantwortlichen Organisationen in zehn Thesen umrissen, worum es inhaltlich gehen soll. Das hat die Diskussion konzentriert. Die rund 200 Teilnehmenden haben in sechs Diskussionsrunden Ideen und Vorschläge erarbeitet, die Praxis und die Qualität der nachhaltigen Finanzindustrie voranbringen können. Über die Dringlichkeit des Themas waren sich alle einig.

„Sie, wie Sie hier sitzen, wissen, wo die Hindernisse für Sustainable Finance liegen, wo die Grenzen Ihrer Geschäftsmodelle sind und auch, was Sie daran hindert, Ihre Aktivitäten zu skalieren“, sagte Marlehn Thieme, Vorsitzende des RNE, zu Beginn des Gipfels. „Setzen Sie sich gemeinsam mit uns jetzt entschieden für einen Umbau der Finanzsysteme ein!“, appellierte Thieme. Nachfolgend eine Auswahl der zentralen Diskussionsbeiträge – und wie es weiter geht mit dem Hub.

Idee 1: Einen Green Supporting Factor in der Finanzmarktaufsicht einführen

Die Idee hat im Jahr 2016 der französische Bankenverband formuliert, um leichter Kapital für die weltweite Energiewende zu mobilisieren. Der Green Supporting Factor ließe sich aber auch auf beliebige andere nachhaltige Projekte ausweiten. Um Faktoren für Risiken und Chancen griffig zu beurteilen, plädierte Klaus Tiedeken, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln, für die Anwendung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex, die weit mehr als nur für die öffentliche Berichterstattung nützt.

Gerald Podobnik, Global Head of Capital Solutions der Deutschen Bank, machte die französische Idee konkret: Die Bankenregulierung schreibt vor, dass Banken für die Risiken verschiedener Geldanlagen sicheres Kapital vorhalten müssen, um einen Ausfall der Anlage abzusichern. Das gilt auch, wenn Banken beispielsweise in Solarparks oder Windräder investieren. Der Green Supporting Factor würde vorsehen, dass Banken für Investitionen in die Energiewende weniger Sicherheiten vorhalten müssen – weil sie einen Beitrag dazu leisten, die Risiken des Klimawandels zu minimieren und damit auch das Finanzsystem stabilisieren. Einführen müsste einen solchen Faktor die Finanzmarktaufsicht, die über die Kapitalanforderungen bei verschiedenen Investitionen entscheidet.

Idee 2: Bilanzierungsregeln ändern

Christian Thimann, Vorsitzender der High Level Expert Group on Sustainabel Finance der EU-Kommission und Vorstandmitglied beim Versicherungskonzern Axa, schlug vor, Bilanzierungsregeln zugunsten nachhaltiger Investments zu verändern. „Die Finanzregulierung der letzten Jahre war sehr auf kurzfristige Stabilisierung ausgelegt“, sagte Thimann. Dominant ist derzeit bei der Bilanzierung eines Unternehmens das Prinzip market to market. Das bedeutet, dass der Wert von Investitionen an einem bestimmten Stichtag ermittelt wird und so in die Bilanz kommt.

Das aber widerspricht oft der Idee, dass nachhaltige Investitionen lange Zeithorizonte haben, bis sie sich rechnen. Andere Bilanzierungsregeln könnten also diese langfristigen Potentiale nachhaltiger Geldanlagen höher gewichten, die so als positiver Faktor in die Bilanz einfließen. „Wie können wir es Akteuren gestatten, mehr langfristige Kredite zu vergeben? Wie können wir ihnen die Pflicht auferlegen, in einer vernünftigen Proportionalität langfristige Risiken zu kontrollieren?“, so fasste Thimann die Herausforderung zusammen.

Idee 3: Aufsichtsräte müssen für Nachhaltigkeit qualifiziert sein

Patricia Geibel-Conrad, Mitglied des Aufsichtsrats der Hochtief AG, forderte, bei der Qualifikation von Aufsichtsräten anzusetzen. Diese müssten sensibel etwa für das Thema Klimawandel sein und Grundkenntnisse zur nachhaltigen Entwicklung haben. Solche Mindestanforderung werden im anglo-amerikanischen Raum längst debattiert, ebenso bezüglich Diversity. Solche Anforderungsprofile für Aufsichtsräte und Vorstände würden unter anderem auf dem nächsten World Economic Forum im Januar 2018 in Davos besprochen, so Geibel-Conrad. In den USA läuft die Diskussion unter dem Stichwort proxy access. Durch die Regel haben auch kleinere Anteilseigner an Konzernen die Möglichkeit, Kandidaten für Vorstandsposten zu nominieren – und so etwa das Thema Klimawandel zu stärken.

Idee 4: Nachhaltigkeitsbericht und Konzernlagebericht integrieren

Das Thema Integrated Reporting, also integrierte Berichterstattung von Geschäftsbericht und Nachhaltigkeitsbericht eines Unternehmens, wurde immer wieder diskutiert. Heute werden beide Berichte oft getrennt veröffentlicht. Das bringt laut Dieter W. Horst, Experte für Sustainable Finance bei Pricewaterhouse Coopers, bei vielen Unternehmen oft mit sich, dass die wirklich wichtigen Systeme und Prozesse noch nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.

Bei 80 Prozent der Unternehmen arbeiteten im Finanz- und Rechnungswesen, wo die wichtigen Finanzkennziffern erstellt werden, ein paar dutzend oder gar hundert Personen. Die Nachhaltigkeitsabteilung bestünde dagegen manchmal aus nur einer oder wenigen Personen. Auch Kristina Jeromin, Head of Group Sustainability der Deutsche Börse AG, sieht die Fokussierung auf das Wesentliche und die integrierte Sichtweise in der Berichterstattung als eine Lösung dieses Problems.

Idee 5: EU-weite CSR-Berichtspflicht evaluieren

Welche Kennzahlen aus einem Nachhaltigkeitsbericht sind so wichtig, dass ein Aktionär sagen würde: Wir kaufen eine Aktie oder wir kaufen sie nicht? Diese Frage stellte Ralf Frank, Generalsekretär und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management. Hintergrund ist, dass große Unternehmen in der EU seit dem Geschäftsjahr 2017 verpflichtet sind, Nachhaltigkeitsberichte, kurz CSR-Berichte, vorzulegen. „Die spannende Frage wird sein, welche Kennzahlen sind denn wirklich so wichtig, dass sie Gewicht für den Lagebericht haben, also wichtig sind für das Verständnis des Geschäftsverlaufs“, sagte Frank.

Dieter W. Horst, Pricewaterhouse Coopers, glaubt, die CSR-Berichtspflicht könnte unter Umständen auch zeigen, dass es keine Nachhaltigkeitskennzahlen gibt, die so wichtig sind, dass sie in den Lagebericht müssen – dann hätte die neue Berichtspflicht ihr Ziel komplett verfehlt. Mehrere Redner regten deshalb an, die CSR-Berichtspflicht im nächsten Jahr zu evaluieren. Sollten die ihr zur Folge ermittelten Kennzahlen für die Geschäfts- und Lageberichte der Unternehmen keine Relevanz haben, müsste die Richtlinie überarbeitet werden.

Idee 6: Klimarisiken könnten für die Bankenaufsicht relevant werden

Die Bundesbank denkt darüber nach, Klimarisiken für die Finanzwirtschaft in ihrer Bankaufsicht zu berücksichtigen. Das sagte Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Es gehe dabei um zwei Punkte: Erstens könnten Hurrikane und Stürme unmittelbar Einfluss auf die Finanzen von Banken und Versicherern haben. Würden Wetterextreme schlimmer, dann stiegen die Risiken, die nicht mehr versicherbar seien.

Hinzu kommen laut Wuermeling transitorische Risiken auf dem Weg zu einer emissionsarmen Wirtschaft: Viele fossile Rohstoffe, die heute als Werte in Unternehmensbilanzen stehen, dürfen wegen der Klimaziele nicht mehr verbraucht werden. „Eines ist klar, je früher wir aktiv werden, desto geringer der Handlungsdruck zu einem späteren Zeitpunkt“, sagte Wuermeling. Deshalb baue die Bundesbank ihre Analysemöglichkeiten aus, um Klimarisiken und deren Auswirkungen für die Finanzmarktinstitute besser verstehen zu können. Gegebenenfalls werde man Klimarisiken auch bei der Bankenaufsicht berücksichtigen.

Idee 7: Die Praktikerinnen und Praktiker müssen mitreden

Anja Mikus, CEO/CIO der Stiftung Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung forderte, diejenigen besser in die Diskussion um eine nachhaltige Finanzwirtschaft mit einzubeziehen, die täglich Investmententscheidungen treffen. Das Problem sei, dass nicht einheitlich definiert sei, was genau Nachhaltigkeit im Investmentprozess bedeute. „Wie geht ein Portfoliomanager damit um? Wie kommt Nachhaltigkeit in den Investmentprozess rein?“, fragte sie. Das ließe sich nur beantworten, wenn Portfoliomanager mit am Tisch säßen. So ließe sich auch die Skepsis bei vielen Managern abbauen, ob nachhaltige Kapitalanlagen eine ausgiebige Rendite brächten. Das zeigen zwar Studien, „doch Studien helfen nicht, weil die Praxis entscheidet“, sagte Mikus.

Idee 8: Big Data kann helfen, aber das „kann“ muss qualifiziert werden

Big Data, künstliche Intelligenz und lernende Maschinen werden die Finanzindustrie zum Guten verändern und auch beim Thema Nachhaltigkeit helfen. Die These vertritt Konrad Sippel, Head of Content Lab der Deutschen Börse. „Wenn es um Informationsverfügbarkeit geht und darum, diese quantitativ auszuwerten und zu erklären, warum Nachhaltigkeit Sinn macht, werden uns mehr Daten und bessere Analysen helfen“, sagte er. Diskutanten regten an, dass mehr Daten nicht unbedingt auch bessere Daten seien. Es käme immer auf den Zweck und die Qualität der Daten an.

Die Zukunft des Hub for Sustainable Finance

Die erste Zukunftsaufgabe des H4SF ist das Aufholen. Denn die Finanzwirtschaft und Investoren in Deutschland hinken im europäischen und wohl auch globalen Vergleich hinterher. Weil in Deutschland kein starker Staat einfach gesetzliche Pflichten oder Vorgaben erlässt, greifen die Initiatoren zur Selbsthilfe. Im H4SF wollen sie künftig dem Thema hierzulande eine stärkere Stimme geben. Der große Zuspruch zur Veranstaltung selbst und die hohe Diskussionsbereitschaft der Teilnehmenden wurde von den Initiatoren als Bestätigung gewertet, die Initiative für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft weiter voranzutreiben.

Das Anliegen des H4SF soll baldmöglichst mit der Bundesregierung und dem Parlament erörtert werden. Wie Günther Bachmann, Generalsekretär des Nachhaltigkeitsrates, im Schlusspanel in diesem Zusammenhang deutlich machte, wird die Bedeutung des Ergebnisses der europäischen Diskussionen für Deutschland zu erörtern sein. Weitere fachliche Diskussionsveranstaltungen werden für 2018 geplant.

Indem die Pioniere des nachhaltigen Finanzwesens weiter ermuntert und gestärkt werden, soll nunmehr auch der Mainstream für das nachhaltige Finanzieren gewonnen werden. In Zukunft sollten die professionellen Investoren nicht nur auf der Basis von Finanzkennziffern entscheiden, sondern die Nachhaltigkeit zur Grundlage einer Risiko- und Chancenbewertung machen und in ihre Anlageentscheidung einbeziehen, so Günther Bachmann. Analoges sei dann auch im staatlichen Handeln zu berücksichtigen.

Der Steuerungskreis und der Rat für Nachhaltige Entwicklung haben in der Veranstaltung viele Denkanstöße bekommen, die in die Ausgestaltung des Hubs einfließen werden. Ein Mitschnitt des Gipfels, der alle Programmteile uneingeschränkt abdeckt, steht für sechs Monate auf www.h4sf.de zur Verfügung. Updates und konkrete nächste Schritte werden über die Projektwebseite und den Newsletter des Nachhaltigkeitsrates kommuniziert.

->Quellen:

Publikationen:

Organisatoren:

  • HLEG der Europäischen Kommission, vertreten durch Michael Schmidt, Deka Investment
  • Deutsche Börse AG
  • DVFA e.V. – Der Berufsverband der Investment Professionals (Organisationsleitung)
  • Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.
  • Principles for Responsible Investment (PRI), German section
  • Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE)

Partner:

  • BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V.
  • Deutscher Investor Relations Verband e.V. (DIRK)
  • Deutsches Aktieninstitut e.V.
  • KfW Bankengruppe
  • Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten e.V. (VfU)

Sprecher

  • Tarek Al-Wazir, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
  • Dr. Ludger Schuknecht, Bundesministerium der Finanzen
  • Prof. Dr. Rolf Nonnenmacher, Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex
  • Christian Thimann, AXA Group und Chair High-Level Expert Group on Sustainable Finance
  • Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung
  • Prof. Joachim Wuermeling, Deutsche Bundesbank
  • Anja Mikus, Stiftung “Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung”
  • Dr. Frank Czichowski, KfW Bankengruppe

Weitere Sprecher (Auszug):

  • Prof. Dr. Günther Bachmann, Rat für Nachhaltige Entwicklung
  • Dr. Julia Backmann, BVI
  • Dr. Ernst Thomas Emde, Freshfields Bruckhaus Deringer LLP
  • Christoph Flad, Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
  • Ralf Frank, DVFA
  • Patricia Geibel-Conrad, AR, Hochtief
  • Dr. Wilfried Hauck, Statera Financial Management
  • Dr. Andreas Hoepner, University College Dublin
  • Dieter W. Horst, PricewaterhouseCoopers
  • Kristina Jeromin, Deutsche Börse
  • Holger Kerzel, MEAG
  • Roland Kölsch, FNG-Siegel
  • Matthias Kopp, WWF & 2° Investing Initiative
  • Thomas Kusterer, EnBW
  • Dr. Velibor Marjanovic, KfW Bankengruppe
  • Tobias Mock, S&P Global Ratings
  • Dustin Neuneyer, PRI
  • Dr. Annabel Oelmann, Verbraucherzentrale Bremen
  • Dieter Overath, Transfair
  • Nilgün Parker, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
  • Sabine Pex, oekom research AG, Vorstand FNG
  • Dr. Gerald Podobnik, Deutsche Bank
  • Dr. Henrik Pontzen, HSBC Trinkaus & Burkhardt, Vorstandsmitglied DVFA und Mitglied des Ethikpanels DVFA
  • Claudio Ramsperger, DZ BANK & Cassa Centrale Banca – Credito Cooperativo del Nord Est S.p.A.
  • Michael Schmidt, CFA, Deka Investment GmbH, Mitglied HLEG, Vorstandsmitglied DVFA
  • Roman Schmidt, Commerzbank
  • Konrad Sippel, Deutsche Börse
  • Matthias Stapelfeldt, Union Investment, Vorstand FNG
  • Dr. Markus Steilemann, Covestro
  • Dr. Klaus Tiedeken, Kreissparkasse Köln
  • Hubertus Väth, Frankfurt Main Finance e.V.
  • Dr. Ursula Weidenfeld, Freie Journalistin, Dr. Weidenfeld & Heckel
  • Stefan Winter, Verband der Auslandsbanken
  • Marc Wolbeck, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
  • Natalia Wolfstetter, Director of Research, Morningstar

Szenarien-Werkstatt Nachhaltiger Konsum 2030 – Ergebnisbericht 1. Projektmodul

 Dialog über die Zukunft: Eine Initiative des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), realisiert durch das Institut für prospektive Analysen (IPA)

Ergebnisbericht zum 1. Projektmodul (Kurzfassung)

BMJV - LogoWie lässt sich das Ziel einer nachhaltigen Lebensweise in Deutschland verwirklichen – individuell und als Gesellschaft? Wie kann eine an Nachhaltiger Entwicklung ausgerichtete Verbraucherpolitik den Wandel sinnvoll unterstützen? Und was sind mögliche Rahmenerzählungen dieser tiefgreifenden Transformation, die dem Handeln im Alltag einen größeren Zusammenhang und eine Richtung geben? Im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) führt das Institut für prospektive Analysen (IPA) die Szenarien-Werkstatt „Nachhaltiger Konsum 2030“ durch. Anliegen ist es, mehrere Szenarien bzw. Narrative zu entwickeln, die unterschiedliche, aber in sich gleichermaßen plausible Entwicklungspfade von Konsummustern und Lebensstilen in Deutschland bis zum Jahr 2030 aufzeigen und illustrieren. Das Ziel ist nicht, die Zukunft vorauszusagen, sondern grundlegende Anknüpfungspunkte und Handlungsmöglichkeiten in einem größeren Gesamtbild – einer „Landkarte für die Zukunft“ – zusammenzuführen. Zur Orientierung, zum Abwägen und für den Austausch mit anderen.

Im Rahmen eines ersten Projektmoduls wurden Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten befragt, wie sie auf die Herausforderung „Nachhaltiger Konsum“ blicken und welche „Erzählungen“ und Zukunftserwartungen sie damit verbinden. Allen Befragten gemeinsam: sie engagieren sich auf die eine oder andere Weise für die Stärkung nachhaltiger Lebensstile. Die Antworten machen deutlich, wie vielschichtig die Herausforderung „Nachhaltiger Konsum“ ist und welche Hemmnisse einem nachhaltige(re)n Lebensstil entgegenstehen. Ebenso finden sich in ihnen zahlreiche Lösungsansätze und Voraussetzungen für einen Wandel. In der Zusammenschau wird deutlich, dass Nachhaltiger Konsum nicht nur mehr individuelle Achtsamkeit und Verantwortungsübernahme der Konsumenten erfordert, sondern die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen durch die Politik voraussetzt. Auch nachhaltige Technologien und eine deutliche Steigerung der Ressourcenproduktivität werden von einigen als wichtiges Element für die „Machbarkeit“ einer nachhaltigen Lebensweise Nachhaltiger Konsum 2030 – Ergebnisbericht zum 1. Projektmodul (Kurzfassung) 2 gesehen. In den einzelnen Erzählungen über die Zukunft wird deutlich, dass sehr unterschiedliche „Mischungsverhältnisse“ zwischen Wahlmöglichkeiten und Verantwortung der Verbraucher*innen, staatlicher Regulierung und des Beitrags technologischer Lösungen für die Zukunft denkbar sind bzw. angestrebt werden.

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Merkel für Nachhaltigkeit

Podcast für G20

Merkel-Podcast 20170702 - Screenshot ©  Bundesregierung.de Für Bundeskanzlerin Angela Merkel geht es beim bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg „nicht einfach nur um Wachstum, sondern um nachhaltiges Wachstum“. In ihrem neuen Video-Podcast erklärt Merkel dazu, die Entwicklung der Welt werde „mit Sicherheit nicht nachhaltig und inklusiv sein, wenn wir es einfach so machen, wie wir es immer gemacht haben“.

Das G20-Format sei wegen der Finanzkrise entstanden und habe zunächst Regeln für die Finanzmarkprodukte entwickelt. Später habe man sich dem Gedanken der Gesamtentwicklung weiter geöffnet, erklärt die Bundeskanzlerin. Es gehe darum, aus dem nachhaltigen Wachstum eine „Win-Win-Situation für alle“ zu machen. Für Merkel gehören dazu: „Klimaschutzabkommen, offene Märkte, verbesserte Handelsabkommen, in denen auch Verbraucherschutz, Sozialstandards, Umweltstandards enthalten sind.“ Das, so die Bundeskanzlerin, müsse sich Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Merkel spricht von einer „multipolaren Welt“, in der auch Länder wie China oder Indien geostrategische Vorstellungen hätten. Und je stärker die Entwicklung – etwa in China – voranschreite, desto mehr entwickele man auch Konzepte über die eigene Rolle. China wolle Handelswege mit absichern, engagiere sich in verschiedenen UN-Missionen und werde Schritt für Schritt in der Außenpolitik eine stärkere Rolle spielen. „Das, finde ich aber, ist auch in Ordnung“, sagt Merkel. „Wir müssen jetzt nur sehen – und dafür bietet G20 natürlich eine ganz gute Voraussetzung –, dass wir auch über diese unterschiedlichen Interessenlagen sprechen und daraus nicht unversöhnliche Kämpfe machen, sondern – jetzt mal ganz einfach gesprochen – zum Wohle der Weltwirtschaft eine wirkliche Win-Win-Situation daraus machen. Und darum geht es in Hamburg.“

In den Schwellenländern, insbesondere in China und Indien, sei inzwischen das Bewusstsein gewachsen, „dass man sich selber schadet, wenn man den gleichen Entwicklungspfad nehmen würde,
den wir genommen haben“, sagt Merkel. Es könne „sogar Nutzen und auch technologischen Fortschritt bedeuten“, wenn man einen anderen Entwicklungspfad einschlage. Hier gelte es, immer wieder den richtigen Kompromiss zu finden. „Das ist eigentlich die Kunst der internationalen Abmachungen. Und deshalb war ja auch das Pariser Klimaschutzabkommen ein so wichtiger Meilenstein in diesem gegenseitigen Verständnis“, erklärt die Bundeskanzlerin.

Merkel-Podcast 20170702  - Screenshot ©  Bundesregierung.deMerkel sagt, sie würde das Entwicklungsressort nicht abschaffen. Außenpolitik betreffe immer die Beziehungen zwischen den Regierungen. Entwicklungspolitik müsse auch die Freiheit haben, eigene Projekte aufzusetzen und dies nicht immer nur mit Harmonie in den politischen Beziehungen zu verbinden. Es gehe um die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren – „jenseits von Regierungen, die vielleicht nicht ihre Zivilgesellschaft so betrachten, wie wir uns das wünschen“. Mit Fragen der Entwicklung beschäftigten sich mehrere Ressorts, so die Bundeskanzlerin. Es gebe Überschneidungen, deshalb habe die Bundesregierung immer wieder daran gearbeitet, „eine gemeinsame Afrika-Strategie zu haben, weil nur mehrere Ressorts dazu auch wirklich beitragen können; einer alleine kann das nicht“.

->Quellen:

Aufruf zum ökologisch-nachhaltigen und partizipativen Wirtschaften

- anlässlich des G-20-Gipfels am 7. und 8. Juli in Hamburg -

“Es stünde schlecht um die Wissenschaft, wenn es Späteren  nicht gestattet sein sollte, zu dem, was Frühere gefunden haben, noch Neues hinzuzufügen.”
(Georgius Agricola, De Re Metallica, 1548)

“How fleeting are the wishes and efforts of man! How short  his time! And consequently how poor his products be, compared  with those accumulated by nature during whole geological periods. Can we wonder, then, that nature’s productions should  be far ‘truer’ in character than man’s productions; that they should be infinitely better adapted to the most complex conditions of life?”
(Charles Darwin, The Origin of Species By Means of Natural Selection, 1859)

Klimawandel, Artensterben und Umweltzerstörung sind Herausforderungen, die das Leben aller Menschen trotz unterschiedlicher kultureller und politischer Bedingungen bedrohen.  Wir rufen daher Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf, umzusteuern. Die Wende hin zum ökologisch-nachhaltigen und partizipativen Wirtschaften ist unumgänglich.  

(English Version)

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Schweiz: Grundeinkommen durch Mikrosteuer finanzieren

“Grundeinkommen wäre in der Schweiz umsetzbar”

Schweizer Handelszeitung - LogoEine Initiative will ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz einführen – mit einer Monatszahlung an jeden Bürger von rund 2.500 Franken. Gute Idee oder Schwachsinn? Alle Hintergründe hat die Handelszeitung, u.a. in einem Interview von Caroline Freigang mit dem Zürcher Finanzprofessor Marc Chesney. Er will dafür stimmen, denn er hält die Idee für realisierbar – unter einer Bedingung.

Chesney  befürchtet, dass die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung Millionen Arbeitsplätze weltweit gefährden. Normalerweise sollte es Freizeit erzeugen, wenn die Produktivität steige, argumentiert er. Heute jedoch führe das aber “weltweit entweder zu Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung – vor allem weil das Wirtschaftswachstum im Verhältnis zur Steigerung der Produktivität oft nicht ausreichend ist” –  ernennt das “das Paradoxon einer immer produktiveren Gesellschaft, die zur selben Zeit Armut erzeugt”. Eine zivilisierte und demokratische Gesellschaft müsse aber Lösungen für dieses Problem finden – sonst sei sie in Gefahr. weiterlesen

Ökologische Modernisierung quer durch alle Branchen

 Die grüne Art des Wirtschaftens

Mit 450 Gästen war der Kongress “Grüner Wirtschaften” der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen sehr gut besucht.  In diversen Werkstätten und Debatten wurde das Konzept Grüner Wirtschaften für mehr Lebensqualität diskutiert und auf einem Markt der Möglichkeiten anschaulich und greifbar fgemacht.  Die grüne Bundestagsfraktion will “den Weg in die neue Wirtschaftsweise für alle verlässlich gestalten”. Dafür brauche es mutige Politik und engagierte Bürger, Ingenieure und Unternehmerinnen, welche die ökologische Modernisierung quer durch alle Branchen ins Ziel bringen. “Wir müssen, das machten sowohl unser Fraktionsvorsitzender Dr. Anton Hofreiter, wie auch die Keynote von Professor Rahmstorf sehr deutlich, das Tempo erhöhen, die Klimakrise wartet nicht”.

Bischöfe drehen pax christi den Hahn ab

Wegen 60.000 Euro

VDD - logoEin bislang anonymes Wirtschaftsberatungsunternehmen hat dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) empfohlen, alle Gelder für die Bundesebene der internationalen pax christi-Bewegung zu streichen. Es handelt sich um jährlich 60.000 Euro, mit denen bislang über den VDD die pax-christi-Arbeit auf Bundesebene gefördert wird. Das ist ein Fünftel des ansonsten aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden bestrittenen Budgets. Das bundesweite VDD-Zuschussvolumen beträgt über 125 Millionen Euro, sodass die bisherige Unterstützung von pax christi weniger als 0,05 Prozent ausmacht

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Umdenken in Finanzbranche nur weiterer logischer Schritt auf Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank, über Bewertungsmaßstäbe und Siegel

14.09.2016 aus der Themenreihe Grüne FINANZEN von UMWELTHAUPTSTADT.deumwelthauptstadt logo

UMWELTHAUPTSTADT.de: Was glauben Sie, welche Motivation steht bei grünen Investments bei der Mehrheit der Anleger im Vordergrund, Ethik & Moral oder eine ordentliche Rendite?

Norbert Wolf - Foto © Steyler BankNORBERT WOLF: Ich denke, am Ende ist es immer ein Mix verschiedener Motivationen. Eine ordentliche Rendite ist natürlich im Interesse jedes Anlegers. Aber nachhaltige Investoren folgen eben auch ethischen Überzeugungen. Sie wollen beiden Ansprüchen gerecht werden und liegen genau richtig damit: Denn moralisches Handeln und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich nicht aus. Das ist meine feste Überzeugung.Die Steyler Ethik Bank legt Kundengelder daher nach drei Prinzipien an. Wir wählen Anlagen aus, die einen positiven Beitrag zum Erhalt des Friedens, zu sozialer Gerechtigkeit und zum Schutz der Umwelt leisten. Wir beschränken uns also nicht auf den Bereich „grüne Investments“. Denn unsere Kunden möchten Natur und Klima schützen, kommen aber auch zu uns, um sich sozial zu engagieren. Dazu muss man wissen, dass die Gewinne der Steyler Ethik Bank in soziale Hilfsprojekte rund um den Globus fließen. Viele unsere Kunden fördern diesen Einsatz durch freiwillige Spenden oder auch durch die Gründung von Stiftungen.

Können Sie einschätzen, wie hoch der Anteil nachhaltiger Investments in Deutschland ist und welche Wachstumsraten wir in diesem Bereich erfahren?

In Deutschland haben nachhaltige Investments aktuell einen Anteil von 2,7 Prozent. Eine gute Informationsquelle ist der Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Noch ist der Anteil also klein, aber er wächst schnell. In Deutschland wurden Ende 2015 nachhaltige Geldanlagen mit einem Gesamtwert von 136,6 Milliarden Euro verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Wachstum von sieben Prozent. weiterlesen

IWF: Deutsche Bank größte Bedrohung für globales Finanzsystem

Die Deutsche Bank ist die wohl riskanteste Bank der Welt, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) – HSBC und Credit Suisse dahinter

deutsche bank logoDie Deutsche Bank ist nach Einschätzung des IWF das weltweit gefährlichste Geldinstitut, IWF logoberichten zahlreiche Medien (s.u.). “Unter den global tätigen Banken mit systemischer Bedeutung (G-SIBs) scheint die Deutsche Bank am stärksten zu systemischen Risiken beizutragen”, schätzt der IWF im Rahmen seines Programms zu Bewertung des Finanzsektors (FSAP). Gefolgt werde die Bank von der britischen HSBC und der schweizerischen Credit Suisse. weiterlesen

CO2-freies Aktien-Portfolio?

Alternative zum Divestment

e-fundresearch logoSpätestens seit der UN-Klimakonferenz 2015 hat die Bedeutung des „Carbon Footprint” von Unternehmen deutlich zugenommen: Über die Rolle dieser Kennzahl im Asset Management und wie sich ein “CO2-freies” Portfolio erzielen lässt, sprach der Informationsanbieter über Investmentfonds e-fundresearch.com mit Laurent Jacquier-Laforge, und Perrine Dutronc, vom französischen Asset-Manager La Française Inflection Point.

Laurent Jacquier Laforge - Foto © La Française Inflection PointIn den vergangenen fünfzehn Jahren habe die Entstehung sozial verantwortlicher Investitionen die Einbindung von Nicht-Finanzkriterien in die Unternehmensanalyse gefördert, so der 54jährige Jacquier-Laforge. Über diese ESG- Kriterien (Environmental, Social and Governance) hinaus hält er es für unabdingbar, die Fähigkeit von Unternehmens zu Innovation und Anpassung mit zu berücksichtigen. Dies sei das Ziel des sogenannten „Strategically Aware Investing“ (strategisch bewusstes Investieren, SAI), das die beiden Investment-Firmen La Française und Inflection Point Capital Management (IPCM) seit ihrer Zusammenarbeit (Februar 2015) praktizieren. weiterlesen