Wie christlich investieren die Kirchen?

Ethisch-ökologisch?

Seit Monaten fragt CORRECTIV bei der katholischen und den evangelischen Kirchen nach, wie sie ihr Milliarden-Vermögen anlegen. In Firmen, die den Klimawandel befeuern? Oder investieren die Kirche ihre milliardenschweren Rücklagen in Kohlefirmen oder Ölkonzernen – oder so klimafreundlich, wie Papst Franziskus dies seit Jahren fordert? Doch die Kirchen schweigen. Jetzt verklagt das Recherchekollektiv stellvertretend das mitgliederstarke Erzbistum Köln auf Auskunft.

Deutschlands Kirchen sind reich. Allein die katholische Kirche in Deutschland wird auf hundert Milliarden Euro geschätzt . Im Dunkeln liegt bislang, wie die Kirchen ihre Vermögen investieren. Die meisten katholischen Bistümer, genau wie die evangelischen Landeskirchen, veröffentlichen seit ein paar Jahren Geschäftsberichte, die einige Posten offen legen. So ist nun beispielsweise nachzulesen, dass im Jahr 2014 das Kölner Bistum 627 Millionen Euro an Kirchensteuern eingenommen und rund 2,5 Milliarden Euro am Finanzmarkt investiert hat – rund die Hälfte seines Gesamtvermögens.

Die Kirche ist eine moralische Instanz in der Gesellschaft, ihr Finanzgebaren beeinflusst auch andere Anleger. Der Papst forderte in seiner Umweltenzyklika vom Juni 2015 die Kirche zum Klimaschutz auf, und für den Ausbau der erneuerbaren Energien einzutreten. Umwelt- und Klimaschutz gehören zu den wichtigsten Anliegen von Papst Franziskus. Er rief dazu auf, umweltschädliche Produkte zu boykottieren, um dem Klimawandel entgegenzutreten.  Auch katholische Würdenträger aus aller Welt forderten in einer über Radio Vatikan verbreiteten Erklärung, “dem Zeitalter der fossilen Brennstoffe ein Ende setzen”. Und im Januar 2017 überlegten katholische Organisationen im Rahmen einer Konferenz im Vatikan, wie die Kirche ihr Geld klimafreundlicher anlegen kann. Viele große Unternehmen wie die Allianz oder der Rockefeller-Fonds haben bereits ihre Finanzanlagen aus klimaschädlichen Fonds und Firmen abgezogen.

Doch in welchen Fonds und Branchen, in welchen Ländern und Märkten das Erzbistum Köln investiert, verraten die Eminenzen nicht, auch nicht auf wiederholte schriftliche Nachfrage. Nur soviel teilte der Kölner Bistumssprecher Michael Kasiske Correctiv schließlich mit: „Die Zusammensetzung der Aktienfonds unterliegt laufenden Änderungen, so dass wir zu einzelnen Anlagen grundsätzlich keine Auskunft erteilen.“ Theoretisch könnten also viele Millionen Euro aus Köln in australischen Bergwerken, afrikanischen Minen oder saudi-arabischen Ölfirmen angelegt sein.

Bereits heute legen die Kirchen zwar moralische Kriterien zugrunde, wenn es um ihre Finanzinvestments geht. Sie schließen Firmen aus, die mit Verhütung, Pornografie oder Waffen ihr Geld verdienen. Die Kirche aber will bisher nicht „deinvestieren“. Zwar legen die Bistümer moralische Kriterien für ihre Anlagen an und schließen beispielsweise Firmen aus, die etwa mit Verhütung, Pornografie oder Waffen handeln. Ökologische Kriterien aber spielen bisher keine Rolle. Wenn es konkret wird, scheinen sich die Bistümer aber nicht in die Karten schauen lassen zu wollen. Es geht um viel Geld – um Anlagevermögen zwischen 100 Millionen und mehreren Milliarden Euro.

Correctiv akzeptiert diese Intransparenz nicht – und verklagte in diesen Tagen das Kölner Erzbistum auf Auskunft. Auf die Offenlegung der Investitionen zu pochen ist unser gutes Recht: Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf Deutschland sind von erheblichem öffentlichem Interesse. Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass eine Erderwärmung um 2 Grad unumkehrbaren Schaden anrichtet. Der Haupttreiber der Erderwärmung sind Emissionen aus dem Verbrauch von fossilen Energien wie Kohle, Erdöl und -gas.

Es ist daher in erheblichem, allgemeinem Interesse zu erfahren, welche öffentliche Einrichtungen in fossile Rohstoffe investieren. Es ist Aufgabe der Presse, diese Informationen zusammen zu tragen und die Öffentlichkeit zu informieren, damit die Gesellschaft auf Basis verlässlicher Informationen – und nicht von Gerüchten – Debatten führen und Entscheidungen treffen kann. Dieser Zusammenhang ist durch das Grundgesetz geschützt, aus dem sich das Informationsrecht der Presse ableitet (§5GG).

Kirchenmitglieder, Bürgerinnen und Bürger müssen endlich erfahren, was mit der Kirchensteuer geschieht, die ihnen Monat für Monat vom Lohn abgezogen wird. Die Kirchensteuer fließt in das Gesamtvermögen der Kirchen ein, und damit auch in die Finanzanlagen. Diese enge Wechselbeziehung zwischen Kirchensteuern und Finanzanlagen anzuerkennen ist der wichtigste Schritt für uns, die Auskunftsklage zu gewinnen.

Exemplarisch klagt CORRECTIV nun gegen das Erzbistum Köln, um unser Informationsrecht durchzusetzen. Um einen Präzedenzfall zu schaffen. Um am Ende Auskunft zu erhalten von allen 27 katholischen Bistümern und den 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Falls CORRECTIV gewinnt, müssen alle offenlegen, wie sie ihr Vermögen aus Immobilien, Verpachtungen und historischen Besitztümern angelegt haben. Jeder würde zum ersten Mal erfahren, nach welchen Kriterien die Kirche das Geld der Gläubigen anlegt. Deshalb kämpfen wir darum, das kirchliche Vermögen aufzuschlüsseln.

->Quellen: